Mein schwerer Weg ohne Kindergarten | Weshalb ich gegen Kitafrei bin

06. Januar 2019

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*Dieser Beitrag wurde mir anonym von einer Leserin zugesendet. Sie selbst ist ohne Kindergartenbetreuung groß geworden und appelliert aufgrund der wachsenden Beliebtheit der kitafreien Erziehung an alle Eltern: Schickt Eure Kinder in die Betreuung, sie werden es Euch später danken.

Kindergartenfrei: Eine Entscheidung für das Leben

Gerade heut zu Tage ist die Sozialkompetenz so wichtig wie noch nie: Sie bestimmt deine Außenwirkung, deinen Erfolg, zusammenfassend dein jetziges und zukünftiges Leben. Doch wie erlangt man diese essentielle Eigenschaft? Die Grundsteine dafür werden schon in der frühesten Kindheit gelegt. Man beobachtet wie seine Eltern miteinander umgehen, wie sie mit anderen umgehen und falls vorhanden, das Sozialverhalten der Geschwister.

Dass man andere Menschen, also nicht Familienmitglieder, anders behandelt, ist jedoch schwierig nur an Hand von Beobachtungen zu erlernen. Die ersten Schritte in diesem schwierigen Terrain geht man im besten Fall im Kindergarten. Durch früh geknüpfte Freund- und auch Feindschaften lernt man nach und nach seine eigene Außenwirkung kennen, einzuschätzen und auch einzusetzen. Aber was passiert, wenn diese wichtigen Erfahrungen aus bleiben?

Mein schwerer Kindergartenfreier Weg

Leider war es mir aufgrund meiner Familienumstände nicht möglich den Kindergarten zu besuchen. Alles Sozialverhalten, an welchem ich mir ein Beispiel nehmen konnte, war die Interaktion mit meinen Geschwistern, die leider nicht ganz so liebevoll verlief, wie es sich so manche Eltern gerne wünschen. Schon bei der Einschulung hatte ich einen schlechten Start, denn die meisten Kinder und deren Eltern kannten sich bereits aus dem Kindergarten. So stand ich lauter fremden Kindern gegenüber, eingeschüchtert und ohne jede Ahnung, wie ich dort einen Anschluss finden sollte.

Da ich wenig Interaktion mit fremden Kindern erlebt hatte, begann ich mit den Klassenkameraden so zu kommunizieren, wie wir es zu Hause taten. Gerade bei zwei großen Geschwistern fielen dabei Ausdrücke, die ganz sicherlich nicht meinem Alter entsprachen. Schnell wurde ich zur Außenseiterin und die Enttäuschung über die Ablehnung, deren Gründe ich nicht verstand, schreckte mich vor weiteren potentiellen Freundschaften ab.

Defizite für die Ewigkeit?

Es fanden sich letztendlich immer einige Kinder die doch mit mir spielten, doch meist waren dies Kinder mit ähnlichen Defiziten wie ich selbst. Diese Leidensgeschichte sollte sich bis in die frühe Pubertät ziehen. Ganz normale Verhaltensweisen wie das kontrollierte Verhalten nach Außen, lernte ich viel später als meine Mitschüler, so dass die Erfahrungen um einiges schmerzhafter waren, als für ein Kleinkind. Leider lernt man aus den negativen Erlebnissen doch mehr, als aus den positiven. Selbst noch heute, als erwachsene Person, gerate ich hin und wieder in Situationen, welche für mich schwer einschätzbar sind. Natürlich kann man nicht alle Fehlschläge durch eine mangelhafte Erziehung begründen, als erwachsener Mensch trifft man schließlich selbstständig seine Entscheidungen.

Jedoch empfehle ich jedem, seinem Kind die wertvollen Erfahrungen des Kindergartens zu ermöglichen. Gerade in diesen wichtigen Jahren bilden sie die Basis für ein altersgemäßes Sozialverhalten, welches für jeden Menschen essentiell ist, um ein glückliches und erfolgreiches Leben führen zu können.


Nun folgt ein Kommentar meinerseits (Inhaber des Blogs):

Was ein Kindergartenbesuch den Kindern mitgibt

Ehrlich gesagt habe ich lange überlegt, ob ich eventuell nur das letzte Jahr, also das Vorschuljahr des Kindergartens, für meinen Sohn nutze. Für mich war immer klar, dass ich mein Baby nicht in die Krippe geben kann. Unser Kind wäre auch nicht bereit gewesen, im Alter von einem Jahr, von einer anderen Person als uns betreut zu werden. Nach und nach kamen aber Bedenken auf: Wie kann ich ihm am besten mit gleichaltrigen Kindern zusammen bringen und ihm das Gefühl von Gemeinschaft außerhalb der Familie vermitteln?

Wir haben es eine zeitlang mit Kinderturnen ausprobiert – Für mich jedoch nicht der richtige Weg. Die 45 Minuten spielen die Kinder meist nur für sich und es entsteht wenig Kommunikation untereinander. Wir haben Freunde und Familie mit Kindern aber jeder von uns hat einen Job und Treffen, mehrmals die Woche, sind einfach nicht möglich. Also entschieden wir uns um den dritten Geburtstag für den Kindergarten.

Ab wann ist ein Kind Kindergartenreif?

Jede Person hat dazu eine andere Meinung und hat andere Voraussetzungen. Für mich waren ganz bestimmte Punkte wichtig, damit mein Kind und ich mich in einer Einrichtung wohl fühlen.

  • das Kind ist sauber und benötigt keine Windel mehr
  • das Kind kann deutlich das Wort „nein“ aussprechen
  • das Kind kann sich verständigen und seine Grundbedürfnisse äußern
  • das Kind kann laufen
  • das Kind sucht Kontakt zu anderen Kindern

Wichtigkeit des Kindergartenbesuchs

Warum ich einen Kindergartenbesuch als positiv empfinde?

  • das Kind findet seinen Platz innerhalb der Gesellschaft/Gruppe und das außerhalb der Familienstruktur (Der Kleine, die Große, der Ruhige, die Laute)
  • das Kind gewöhnt sich an Strukturen und kann diese auch in der Grundschule anwenden. Beim Grundschulstart kann es den Fokus auf Neues lenken
  • das Kind schließt Freundschaften, welche wohlmöglich in der Grundschule und später bestehen bleiben
  • das Kind hat etwas eigenes nur für sich, es ist ein Kindergarten und kein Elterngarten
  • das Kind spielt und interagiert mit Gleichaltrigen anders als mit kleinen und großen Geschwistern oder den Eltern und Großeltern
  • das Kind lernt von älteren oder weiteren Kindern neue Dinge anders als von Erwachsenen
  • das Kind lernt sich in Alltagssituationen mit Personen außerhalb der Familie zu bewähren
  • man kann als Mutter am Vormittag weiteren kleinen Kindern ungeteilte Aufmerksamkeit schenken
  • man kann als Mutter am Vormittag Hausarbeit erledigen oder im Homeoffice arbeiten und das Kind sitzt nicht gelangweilt daneben

Für mich sind die Punkte: Das Kind lernt in einem Kindergarten von den Erziehern mehr als von uns Eltern, wir können als Eltern dem Kind weniger bieten und die Aussage, dass ich die Zeit mit meinem Kind mehr genieße, wenn man sich über den Tag nicht sieht – VÖLLIGER SCHWACHSINN. Keine dieser Aussagen sollte der Grund für einen Kindergartenbesuch sein.

Wir haben einen wundervollen Kindergarten gefunden, welcher nur in Ausnahmefällen in die Geschehnisse und Streitereien zwischen den Kindern eingreift. Nicht normales Verhalten (nicht Spucken, nicht Schlagen, keine Schimpfwörter) wird dort mit den Kindern angesprochen und besprochen. Es besteht keinerlei Zwang und die Kinder können sich frei entfalten.

Jeder nutzt den Kindergarten anders

Trotzdem sollte uns bewusst sein, dass ein Tag im Kindergarten und dessen Aufgaben und Stress mit einem Vollzeitjob gleichzustellen ist. Zu Hause braucht das Kind Zeit den Tag Revue passieren zu lassen, von den Geschehnissen des Tages zu berichten und runter zu kommen.

Ein Kindergarten sollte nicht den Umgang und Neues erleben und entdecken im häuslichen Umfeld ersetzen. Wir können nicht alles auf Erzieher schieben und uns aus der Affäre ziehen: Der Kindergarten sollte in erster Linie ein Treffpunkt für Kinder sein. Leider ist der Betreuungsschlüssel in vielen Einrichtungen miserabel und ich habe schon Inkognito miterlebt wie unmöglich Erzieher sich gegenüber Kindern benehmen können. Es ist nicht einfach den passenden Platz für ein individuelles Kind zu finden.

Sollte eine Eingewöhnung scheitern ist das kein Beinbruch – Jedes Kind hat sein Tempo.

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2 Gedanken zu „Mein schwerer Weg ohne Kindergarten | Weshalb ich gegen Kitafrei bin“

  1. Mirjam sagt:

    Da hier bisher niemand einen Kommentar hinterlassen hat, möchte ich dies gerne tun. Ich sehe den gesamten Artikel (persönlicher Bericht plus Kommentar) kritisch und will das begründen.
    Zuerst zum persönlichen Bericht. Hier werden „Defizite“ beschrieben die komplett auf einen fehlenden Kindergartenbesuch bezogen werden, wobei die Person lediglich aus ihrer persönlichen Perspektive berichtet und in ihrem Leben keinen Kindergarten besucht hat. Woher will sie wissen, wie es ihr gegangen wäre, WENN sie das getan hätte? Mit meinem Wissen, kann ich sagen: Einfach eine Gleichung aufzustellen wie es hier getan wurde, ist schlicht falsch. Kindergarten ist eben nicht der Ort an dem Kinder einfach alles lernen was sie zum Leben brauchen. Dort sind viele Kinder auf wenig Erzieherinnen, die kaum Zeit haben die Kinder, welche sie kaum kenne, wirklich zu begleiten. Bei sozialen Konflikten müssen sie oft „selber durch“ weil die Erzieherin meist nicht dabei war und die Situation gar nicht einschätzen kann. Gerade Kinder im Kindergarten lernen sehr häufig Schimpfwörter von anderen Kinder. Das Beispiel sehe ich also eher als große Ausnahme. Ich denke, hier liegt ein Problem in der häuslichen Erziehung/Begleitung vor. Sonst nichts.
    Und nun zum Kommentar: Mir scheint als würde das thema hier nur sehr oberflächlich behandelt. Wenn man schon kindergartenfreies Leben kritisiert, dann sollte man sich auch mit den Fakten befassen und nicht einfach Argumente, die allgemein vermittelt werden, aufzählen. Denn diese halten, bei geanuerer Betrachtung, nicht stand. 1. Kinder finden im Kindergarten oft nicht den Platz der zu ihnen passt. Dafür ist es dort zu laut, zu voll, zu viele Regeln, zu wenig individualisierung. 2. Das Kind MUSS sich zwangsweise an Strukturen gewöhnen. Ob das für sein Alter angemessen ist, sei dahingestellt. Dass Kinder, die nich tim Kindergarten waren dann generell Probleme in der Schule haben ist nicht nachgewiesen. Eher gengeteiliges. 3. Das Kind kann sehr gut auch Freundschaften ohne Kindergarten schließen. Unsere 2-jährige Tochter hat sogar schon Freunde an denen sie sehr hängt. Man vergräbt sich ja nicht den ganzen Tag in der Wohnung. Es gibt ein großes Kindergartenfrei-Netzwerkt mit HIlfe dessen man eine Menge gleichgesinnte Familien finden und treffen kann. 4. Dass Kinder mit Gleichalterigen spielen ist kritisch zu sehen (Stichwort Gleichaltrigenorientierung), wird aber heutzutage als positiv dargestellt. Kinder sind dafür gemacht mit Geschwistern unterschiedlichen Alters zu spielen. Und die letzten Argumente betreffen die Mutter – nicht das Kind und fallen damit für mich unter den Tisch.
    Liebe Grüße von einer viel belesenen Mama 🙂
    Ich empfehle Artikel und Literatur zum Thema Bindungsorientieres Aufwachsen und Bedürfniszentriertes Erziehen.

    1. Laura sagt:

      Hallo Miriam,

      ich bin auch sehr belesen in diesem Thema und bin trotzdem der Meinung: Kindergarten ab einem gewissen Alter ist ein Muss (vielleicht hast Du dieses soziale Umfeld – Ich kenne kaum wen bei dem das so ist). Nicht täglich, nicht für 8 Stunden aber regelmäßig für ein paar Stunden so drei-vier Mal die Woche finde ich sehr sehr gut.

      Ich finde es wird Kindern sehr viel genommen.

      Liebe Grüße

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