Laura / 03.07.2018 / Familienleben / Family
      

Drei Jahre Kita-Frei | Unsere Erfahrungen und ein Fazit

         

Mein erster Beitrag zum Thema Kita-Frei „Nicht die Mama – Wieso wir uns gegen die Krippe entschieden haben“ ist bereits über zwei Jahre her. Da wir vor kurzem nach langen hin und her den positiven Bescheid von der Stadt mit der Zusage eines Kindergartenplatzes erhalten haben, will ich die letzten drei Jahre und unsere Entscheidung revue passieren lassen. Wie haben wir es finanziell gestemmt, dass ich drei Jahre Kind 1 betreuen konnte und zwischenzeitlich noch Kind 2 auf die Welt gebracht habe und die wichtigste Frage: Würde ich den selben Weg noch einmal gehen?

Unser Ausgangspunkt

Als ich kinderlos war, war es eine Gefühlsachterbahn. Auf der einen Seite habe ich es geliebt nach Hause zu kommen und meine Mutter war anwesend.  Für mich war es einfach wunderschön, neben dem guten Essen, auch nach der Schule meine Sorgen und Nöte von der Seele reden zu können. Die andere Seite in mir hatte aber ein anderes Bild der Mutterschaft im Kopf. Klar, ich habe kein Studium absolviert und „nur“ einen Handelsassistenten (Kauffrau im Einzelhandel plus Fortbildung als Handelsassistent) und Ausbilderschein in drei Jahren gemacht, aber ich wollte unbedingt karrieremäßig aufsteigen. Kann man sein Kind nicht einfach mit ins Büro nehmen und normal nach der Geburt weiter arbeiten, fragte ich mich. Mit dem Wissen von heute wird mir ganz schlecht, dass ich diese Gedanken gepflegt habe. Ich kann offen zugeben, dass ich psychisch von meiner Arbeit abhängig war. Zum Glück hat sich meine Sicht in diesem Punkt drastisch verändert.

Mir ist bewusst, dass wir heute das Privileg haben zu den Besserverdienern zu gehören. Viel wichtiger ist aber wie unsere Situation aussah, als ich die Anmeldung für den Kindergarten ausgefüllt habe. Ehrlich? Es war alles andere als rosig. Mir war zu dem Zeitpunkt nicht bewusst, wie es für meinen Mann beruflich weiter geht und das ich jemals mit meinem Blog Erfolg haben könnte, war mir bis dato nicht bewusst. Aus dem Grund ist es immer leicht zu sagen „Ihr müsst Euch ja keine finanziellen Sorgen machen, da lässt es sich leicht reden“, wenn man die Hintergründe nicht kennt. Uns war klar: Egal wie wir finanziell dastehen, wir packen das. Mein Mann und ich wurden beide die ersten wichtigen Jahre zu Hause großgezogen und wollten diese schöne Zeit unseren eigenen Kindern mitgeben.

Also füllte ich direkt nach der Geburt von Kind 1 die Unterlagen aus. Keine Krippe, nur Kindergarten. Mit dem Wissen, dass wir uns in den nächsten Jahren keinen großen Luxus leisten können würden.

Entwicklung ohne Krippe

Für viele sind die Gründe für das Ausschließen der Krippe nicht nachvollziehbar. Aber als ich meinen kleinen Sohn, an seinem ersten Geburtstag sah und mir klar wurde, dass der Großteil der Eltern dieses winzige Wesen in fremde Hände gibt, wurde mir ganz mulmig. Er konnte nicht sprechen, er konnte nicht laufen, er war noch nicht trocken und ich habe ihn noch größtenteils gestillt. Wir wollten ihn in den ersten und wohl wichtigsten drei Jahre seines Lebens ganz nah begleiten. Ich weiß natürlich nicht, wie Kind 1 sich entwickelt hätte, wenn er mit einem Jahr die Krippe besucht hätte und wir werden es auch niemals erfahren. Aber wenn ich ihn mit gleichaltrigen Kindern vergleiche, ist er meist genauso weit entwickelt oder manchmal sogar ein bisschen pfiffiger.

Er spricht lange und deutliche Sätze, ist ganz von allein trocken geworden und liebt es zu rennen und mit Bällen zu spielen. Er hat ein offenes Wesen und spricht ganz ungeniert jedes Kind an, welches ihn interessiert. Es kommt eben auf das Kind und dessen Charakter an und wie wir Eltern es frei leben lassen und als Vorbild agieren.

Andere Wege gehen

Kritische Stimmen gibt es zu dem Thema unzählige. Mein Lieblingsargument gegen die häusliche Betreuung von unter drei jährigen ist immer wieder der fehlende soziale Kontakt zu gleichaltrigen Kindern. Wir haben ein paar Kinder im selben Alter in der Familie und im Freundeskreis aber ständiges Treffen blieb aus. Also entschieden wir uns vor einigen Monaten einen Kinderturnkurs zu besuchen. Die Eingewöhnung war stressig, denn die Regeln waren für ein so kleines Kind kaum zu greifen. Wieso sollte ich an einem Ort, in dem ich Spaß und Freude empfinden soll, mich für etwas, in meinen Augen, unnützes unterordnen.

Als auch die Hürde geschafft war, wurde mir eins immer bewusster. Der Großteil der Kinder spielte nicht miteinander, sie spielen nebeneinander. Keines der Kinder ließ sich groß auf die anderen ein. Wirklich große Interaktionen gibt es bei uns nur, wenn Kind 1 sich seine Freunde von alleine aussucht. Dies tut er in unserem Freundeskreis oder auf dem Spielplatz von ganz alleine. Dabei ist ihm das Alter und das Geschlecht egal, die Person muss nur zu ihm passen. So kann es sein, dass er Familienmitglieder in seinem Alter links liegen lässt und wiederum andere Familienkinder im anderen Alter und eines anderen Geschlechts vergöttert. Wozu das Kinderturnen gut ist? Zu lernen, dass man ein Teil der Gemeinschaft ist, auch wenn man die einzelnen Charaktere als uninteressant einstuft.

Homeoffice und Kind: Geht das?

Losgelöst ob bloggen ein Job ist oder nicht, habe ich kurz nach der Geburt von Kind 1 damit begonnen zu Hause zu arbeiten. Am Anfang war alles sporadisch und wurde nach und nach professioneller. Nach einem Jahr habe ich also täglich gearbeitet, mal mehr mal weniger. Für mich gab es kein Problem, denn ich konnte mir die Zeit super einteilen und auch einfach nachts arbeiten. Ich hatte genügend Zeit den Bedürfnissen des Großen nachzukommen. Genau, hatte.

Zwei Kinder zu Hause

So schwer kann das doch gar nicht sein? Hausarbeit, ein Haus nebenbei umbauen, ein Kleinkind bespaßen, einen Säugling an der Brust hängen zu haben, für einen Mann da zu sein, nebenbei etwas vernünftiges im Homeoffice zu schaffen und seinen eigenen Bedürfnissen gerecht zu werden. Kein Ding. Leider ist es schwerer als gedacht und ich muss zugeben: Es ist anstrengend, denn sobald ich die Bedürfnisse eines Kindes erfüllt habe, das andere Kind volle Aufmerksamkeit genießen möchte. Eins ist jedoch unglaublich schön: Wie Kind 1 an der Umstellung mit Kind 2 gewachsen ist. Die Beiden trennen 2 Jahre und 5 Monate und ich wünschte Kind 2 könnte schon laufen und mit ihm spielen – diese Geschwister vergöttern sich gegenseitig.

Ein Fazit

Ob ich es wieder so machen würde? Auf alle Fälle. Wir konnten in den wichtigsten Sekunden seines Lebens dabei sein. Seine Hand halten, ihn aufbauen und ihn zu einem selbstbewussten kleinen Menschen großziehen. Er konnte sich perfekt auf das Leben mit seinem Babybruder einstellen und hat alle Anfänge mit ihm zusammen erleben können. Der Große spricht klasse, weiß was er will und was nicht, ist motorisch gut drauf, trocken und von der Brust entwöhnt. Er ist offen und findet schnell neue Freunde. So wie wir es bei ihm gemacht haben, werden wir es auch bei seinem kleinen Bruder mit gutem Gewissen handhaben.

Nach drei Jahren Mutterschaft und Homeoffice verstehe ich Mütter, die nicht nur Vollzeitmamas sein wollen. Auch wenn das schlechte Gewissen mich quält, wird  die Zukunft im Kindergarten eine große Bereicherung in seinem Leben sein. Komplett Kindergartenfrei kann ich mir jedoch nicht vorstellen, da es den perfekten Start in das Grundschulleben bedeutet: Man hat Freunde und weiß wie man sich in der Gruppe verhält. In meinen Augen ist es egal ob man mit drei, vier oder fünf den Kindergarten besucht. Für mich ist der Kindergarten nämlich eins: Ein Treffpunkt zum Spielen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Verantwortung liegt immer noch bei uns Eltern.

Wir haben ihm die Wurzeln gegeben damit er jetzt ein kleines bisschen ohne Mama und Papa zurecht kommen kann. Auch wenn es dem Mutterherzen ein wenig schmerzt sein Baby loslassen zu müssen.

 

Hat jemand von Euch sein Kind auch drei Jahre zu Hause gelassen oder sogar komplett Kita-frei gelebt? Ich freue mich über Eure Kommentare.

Hinweis: Wir schicken Kind 1 täglich von 8-13 Uhr in den Kindergarten (naja vielleicht auch etwas später als 8 Uhr ;)). Dort wird er mit den anderen Kindern frühstücken und ich hole ihn vor dem Mittagessen ab. In dieser Zeit erledige ich die Hausarbeit, gehe einkaufen, werde arbeiten und den kleinen Bruder schmusen.

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