Laura / 21.02.2017 / Family / RUND UMS STILLEN / Stillen / STILLGESCHICHTEN
      

Vom Langzeitstillen zum Normalzeitstillen | Wie lange sollte man stillen?

         

Nun stille ich bereits mit zweites Kind weit über ein Jahr hinaus und werde auf meiner Instagramseite des Öfteren gefragt wie lange ich noch stillen möchte. In der Gesellschaft würde man mich als Langzeitstillende betiteln,  jedoch sehe ich das komplett anders.

Aller Anfang ist schwer

Ich kann mich noch an mich als junges Mädchen erinnern – Mutter niemals vor 30 Jahren werden, sofort wieder arbeiten gehen – und stillen? Auf gar keinen Fall! Ein Baby an meiner Brust zu haben war für mich damals unvorstellbar. Ich wurde jedoch älter und als ich bemerkte, dass ein Lebewesen in meinem Leben fehlt, wurde ich bereits mit 25 Jahren Mutter. Plötzlich hatte ich keine Angst mehr vor der Geburt und stillen kam mir ganz natürlich vor. Mir war klar, dass ich auf jeden Fall mit dem Stillen starten möchte – klappt es nicht, dann klappt es eben nicht. Vorbereiten? Ne, einfach auf mich zu kommen lassen.

Heute bereue ich, nach zwei Stillbeziehungen, dass ich mich so wenig informiert habe. Ich dachte, dass Stillen das einfachste auf der Welt ist und habe mir gar keine Gedanken gemacht über Saugverwirrung, bedürfnisorientiertes Stillen und Zufüttern. Genau diese Dinge haben uns fast unsere Stillbeziehung gekostet und nach höllisch schmerzenden Brüsten und langen Nächten haben wir das Stillen dann irgendwann richtig genießen können.

Falsche Planung

Immer wieder verschob ich das Ende meiner Stillzeit: nach drei Monaten höre ich auf, nach sechs Monaten höre ich auf, achja wenn wir in den Urlaub fliegen, da ist A. bereits neun Monate, höre ich auf… und so ging es immer weiter. Bis ich an seinem ersten Geburtstag an den Punkt kam, an dem das Planen nicht mehr in unsere Beziehung passte. Meine letzte Zeitspanne ging bis heute und war lange für mich das höchste der Gefühle. Länger als 1 1/2 Jahre wollte ich nicht stillen und heute setze ich mir keine Frist wann diese innige Beziehung beendet werden sollte. Es wird der Tag kommen, an dem er weiß, dass er das Stillen nicht mehr benötigt.

Stillen kann auch anstrengend sein

Ich bin todmüde

Eines vermisse ich: Schlaf. Langer, erholsamer Schlaf, ohne in der Nacht unzählige Male geweckt zu werden. Leider ist das hier alltäglich – an guten Tagen schläft er mit nur einer Unterbrechung zum Brustsuchen weiter, an anderen Tagen wache ich bis zu 15 mal auf. Manchmal kann es wirklich an den nerven zehren, besonders wenn man schon seit Tagen müde ist und noch einiges erledigen muss, genau dann wenn man viel Schlaf benötigt.

Aber das nächtliche Stillen hat immer seinen Grund: Angst, ein aufregender Tag der verarbeitet werden muss oder so wie jetzt gerade: ein dicker Backenzahn bricht durch. Auch wenn ich so gut wie keinen Schlaf bekomme, würde ich trotzdem nicht aufhören zu stillen, da mein Sohn es eindeutig noch braucht.

Ich werde nicht schwanger

Nach einem langen Gespräch mit meine Arzt war es klar, es gibt nur einen Grund wieso ich seit bald einem Jahr nicht schwanger werde. Es liegt am Stillen. Auch wenn viele es nicht glauben können und ich immer wieder dumme Sprüche höre, dass Stillen kein Verhütung ist. Doch bei einigen Frauen kann das Stillen verhütend wirken – leider bin genau ich eine von diesen Frauen.

Deswegen aber mit dem Stillen aufzuhören kommt für mich nicht in Frage. Meinem Kind etwas wegnehmen, damit ich ein weiteres Kind bekommen kann? Da warte ich lieber noch etwas – A. und mein Körper wissen am besten wann wir bereit für ein weiteres Baby sind.

Komische Blicke

Langsam nehme ich auch zunehmend komische Blicke war. Aus diesem Grund stille ich weiterhin in der Öffentlichkeit – damit die Gesellschaft versteht, dass es zu den natürlichsten Dingen der Welt gehört, weit über den dritten oder sechsten Lebensmonat eines Babys.

Vom Langzeitstillen zum Normalzeitstillen

Vor sechs Monaten habe ich mir die Frage gestellt, ob wir Mamas die über zwölf Monate stillen Langzeitstillerinnen sind. Heute, zwei Stillkinder später, kann ich die Frage mit einem deutlichen NEIN beantworten. Laut der WHO ist das Vollstillen bis zum sechsten Monat empfohlen und drüber hinaus, bis zum zweiten Geburtstag, sollte man nach bedarf das Kind weiter stillen. Also ist bei mir alles im Normalbereich und hat noch lange nichts mit Langzeitstillen zu tun.

Wieso ich überhaupt noch so ein großes Kind stille, es hat ja schon Zähne und kann essen und trinken? Weil es das Beste für meine Sohn ist, weil wir beide uns wohlfühlen und Stillen so viel mehr als Nahrungsaufnahme ist. Gerade bei einem Kind über einem Jahr hat stillen nicht die Hauptaufgabe als Nahrungsquelle zu dienen – viel mehr ist es Geborgenheit, Liebe, Zuwendung, Trost und Nähe.

Ich bin gespannt wie lange wir noch stillen werden. Eine Frist will ich mir nicht setzen, besonders wenn ich sie nicht einhalten kann. Das Stillen wird mit knapp 18 Monaten etwas weniger, jedoch merke ich, dass meine Söhne es bei großen Veränderungen mehr einforderten. Schmerzende Zähne oder Krankheit machen ganz schnell aus meinem großen kleinen Jungen wieder ein Baby.


Mein Großer hat sich selbstständig mit zwei Jahren abgestillt, den Kleinen stille ich mit 15 Monaten noch.

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11 Gedanken zu „Vom Langzeitstillen zum Normalzeitstillen | Wie lange sollte man stillen?“

  1. Mama mal 3 sagt:

    Danke für den schönen Beitrag! 🙂
    Ich finde auch, dass alles innerhalb von 2 Jahren als Normalzeitstillen angesehen werden sollte.

    Meine Stillgeschichte habe ich Dir auch vor längerem mal geschickt, aber ich bekam leider nie eine Rückmeldung, ob sie ankam?
    Aktuell sind wir dabei, die 3. Stillgeschichte zu schreiben 🙂 5 Wochen schon… noch ein paar wenige Hürden aber ich denke wir haben uns bald gefunden 🙂

    Mir hat mal eine Stillberaterin gesagt, dass die Uhrzeit des Stillens relevant ist für den Eisprung. Ich glaube, sie meinte, wenn man zwischen 4 und 6 Uhr morgens länger nicht mehr stillt, kommt der Eisprung wieder… bei mir kam er nach etwa 20 Monaten wieder. Schön, dass Du Deinem Körper Zeit gibst…

  2. Annett sagt:

    Hallo.
    Wenn ich das so lese, denke ich, dass ich von meinem Leben lese. Nur mein Sohn ist erst 14 Monate alt. Aber ich stille auch noch und werde es von mir aus nicht aufgeben. Er benötigt es noch, gerade wenn er krank ist. Ich finde es schön, denn es gibt mir eine enge Bindung zu meinem Kind.
    Ich kann nur allen Müttern sagen, lasst euch nichts einreden. Hört nicht nach 6 Monaten auf zu Stillen. Gerade wenn eure Kinder zahnen oder krank sind und nichts essen oder trinken wollen, die Brust wollen sie denn umso mehr.

  3. Katrin sagt:

    Vielen lieben Dank für den schönen und passenden
    Beitrag.
    Wir stillen aktuell auch 16Monate und auch so lange
    der kleine es möchte. Klar fehlt der Schlaf aber auch dass übersteht Frau auch.
    Alles Gute für euch
    Lg Katrin

  4. Ich sagt:

    Hallo
    Ich habe 35 Monate gestillt!
    Mach weiter so das ist etwas besonderes und schönes!
    Ich konnte deshalb auch nicht schwanger werden,
    Bis ich ein wenig getrickst habe und jetzt haben wir zwei still Zwerge!

    Denn unser zweiter kleiner kam im Oktober dazu!
    Jetzt ist der große immer noch mal am nuckeln an der Brust mit dabei!
    Alles gute für euch weiterhin
    Lg

    1. Laura sagt:

      Hey meine Liebe,

      wow! Respekt! Kannst du mir sagen was du gemacht hast, um schwanger zu werden? Ich würde auch so gerne wieder ein zweites Baby haben.

      Liebe Grüße

      1. Ich sagt:

        Hallo
        Also bei mir ist es so das ich Hashimoto habe,ich konnte nie schwanger werden weil die Schilddrüse nicht eingestellt war,auch beim zweiten war das schwer!
        Als die Werte passten,ging es nicht weil ich den kleinen 35 Monate stillte,es war aber nur selten am Tag,er wollte immer nachts!
        Hab alles versucht,hab 1 Tag ohne stillen versucht,vor allem nachts oder mit Stunden versetzt wo er nicht ran durfte!
        Hab Arnika genommen und
        „Ihr Kinderlein kommet“ Tee getrunken!
        Ich denke es lag bei der Arnika Tablette,dass es funktionierte!
        Sogar Globoli hab ich genommen,die den Eisprung beeinflussen!
        Ich war fix und fertig,weil ich umbedingt weiter stillen wollte,aber ein Geschwisterchen auch wollte,beides ging anscheinend nicht!
        Aber ich hab nur an den zwei stärksten Eisprung Tagen geherzelt,in dieser Zeit versucht weniger zu stillen!
        Dann ganz normal weiter gestillt!
        Bis ich im 7 Monat war,da war plötzlich die Milch,durch die Schwangerschaft weg,aber als die nach der Geburt wieder da war,hatte ich zwei stillkinder wieder! ?
        Versuch es weiter,bei mir hat es auch 1 Jahr gedauert,bis ich die letzten 2 Monate auf die letzte Hoffnung von
        Arnika und Tee sowie Globoli kam!
        Lg und alles gute weiterhin

      2. Laura sagt:

        Danke! Ich werde mich da gleich mal Informieren <3

  5. Mädchenmama sagt:

    Solange es für Mutter und Kind passt sollte man auch stillen. Ich musste mir diese Woche erst wieder anhören das es komisch und unnormal ist wenn man das Kind noch stillt obwohl es schon reden kann. Warum ist das unnormal? Seinem Kind die Muttermilch eines Tieres geben ist normal? !? Das kann und will ich nicht verstehen!
    Ich habe meine Große leider nur 9 Monate gestillt, ich wurde schwanger (trotz Hashimoto und Stillen) und dann wollte sie nicht mehr an die Brust.
    Bei meiner Kleinen versuche ich so lange zu stillen wie es geht und lasse mir da auch von keinem rein reden!

  6. Carina sagt:

    Hallo,
    Ich habe die ersten 4 Monate voll gestillt und jetzt ist mein Zwerg 5 Monate alt und ich Stille ihn nur noch nachts.
    Ich bin auch mit 25 Mama geworden.
    Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass ich nicht verstehen kann, warum einige Frauen die Gesellschaft „belehren“ müssen. Für mich war von Anfang an klar, dass ich nicht Langzeitstillen möchte und ich konnte das auch so umsetzen und meinen Zwerg geht es gut dabei.
    Hätte das Stillen nicht geklappt, oder hätte ich wegen unserer Startschwierigkeiten nicht gestillt, hätte mein Sohn nur das Milchpulver erhalten.
    Sicher, dass kann sich so anhören, als würde ich es mir selbst „schön reden wollen“.
    Unterm Strich: jede Mama muss es für sich entscheiden und ich finde diese Vergleiche und Belehrungen sehr fragwürdig. Für dich ist es ok, dein Kind lange zu stillen? Gut. Für andere kommt das nicht in Frage. Aber so wie ich deine Entscheidung akzeptiere und nicht urteile, musst auch du andere akzeptieren, die es nicht gut finden, die natürlichste Sache der Welt so lange zu praktizieren. Erst wenn ALLE Mamas aufgehört haben zu urteilen, können wir unsere Kinder so ernähren, wie es für unsere Familien passt.
    Ich habe meine Stillzeit genossen. Wenn ich aber den stolzen Papa sehe, der unseren Sohn (zwar nur an den Wochenenden oder abends nach der Arbeit) auch füttern kann, verliebe ich mich aufs neue in meine zwei Männer 😍
    Liebe Grüße

    1. Laura sagt:

      Hey Carina,

      ich verstehe natürlich Deine Sichtweise. Aber mich nervt es viel mehr, dass man immer alles akzeptieren muss, sonst ist man ein schlechter Mensch. Mir muss doch nicht alles gefallen was andere tun.

      Es gibt ja Dinge, die wissenschaftlich besser für ein Kind sind als andere. Dazu gehört eben das Vollstillen bis zum 6. Monat und das Bedarfsstillen bis zum zweiten Geburtstag. Außerdem gehört auch das Familienbett dazu, da es vor dem plötzlichen Kindstod schützt oder die spontane Geburt, anstatt sich für einen Wunschkaiserschnitt zu entscheiden. Die Liste ist unendlich lang. Ich mag es einfach nicht wenn jemand sagt: „Leben und leben lassen“, „Jede Mutter liebt ihr Kind und will das Beste“ oder „Die Mutter entscheidet für ihr eigenes Kind“.

      Jemand, der nicht die freie Wahl hatte, soll sich auch gar nicht angegriffen fühlen. Niemals würde ich eine Frau „belehren“ wollen, die nicht Stillen kann oder die einen Notkaiserschnitt hatte. Da habe ich großes Mitgefühl und kann ihren Schmerz nachfühlen. Ich kann halt nicht verstehen, weshalb Mütter ihrem Kind einen ARTGERECHTEN Start aufgrund ihres Egoismus verweigern. Menschen gehen für Tiere auf die Straße und protestieren für ein artgerechtes Leben und Menschenbabys müssen alles über sich ergehen lassen, weil es der Mutter damit besser geht. Das ist doch pervers.

      Meine Entscheidung kann man auch nicht verurteilen, denn es wird sogar ganz klar von der WHO empfohlen zwei Jahre nach Bedarf zu stillen. Vielleicht änderst Du Deine Meinung zu dem Thema auch noch einmal. Ich habe zur selben Zeit wie Du auch noch gedacht, dass ich nach 9 Monaten mit dem Stillen aufhöre. Es sind 23 Monate geworden 🙂

      Liebe Grüße
      Laura

      1. Carina sagt:

        Hallo,
        Ich schreibe dir einen erneuten Kommentar, um dir zu zeigen, dass man (wie du sagst) eben nicht alles akzeptieren muss. In dem Fall teile ich deine Meinung nicht.
        Wie kommst du darauf mir zu unterstellen, dass ich nicht das beste für mein Kind will und egoistisch bin?!
        Davor ist es Koch um Meinungen und Fakten gegangen, jetzt fühle ich mich aber persönlich angegriffen.
        Genau wegen solcher Argumente müssen sich Mütter untereinander duellieren. Wozu soll das gut sein?
        Ich finde es sehr schade, dass nicht alles Mamas an einem Strang ziehen können und sich nicht gegenseitig unterstützen. Es geht immer darum, wer wieder einen „Fehler“ in den Augen der anderen gemacht hat. Ich möchte soetwas für meinen Sohn nicht. Er soll ein offener Mensch werden, der andere nicht sofort verurteilt und der tolerant anderen Ansichten gegenüber ist. Genau das möchte ich ihm auch vorleben. Wenn du gerne verurteilst und andere auf Biegen und Brechen von deiner Meinung überzeugen möchtest, dann musst du aber damit rechnen, dass deine Eigenschaften von deinem Kind übernommen werden.
        Eigentlich hatte ich den Eindruck, dass du doch ein eher offener Mensch bist.
        Liebe Grüße,
        Carina

          

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