Vorurteile über bedürfnisorientierte Erziehung und warum sie nicht stimmen

08. Juni 2017

Immer wieder begegnen mir diese Sätze – Ob im Alltag, von Bekannten oder völlig Fremden. Ja, sogar hinter dem Rücken werden solche Aussagen getätigt. Sätze, die mich jedesmal wieder sprachlos machen und von Menschen kommen, die wenig Ahnung von bindungsorientierter Erziehung haben. Sie urteilen über Dinge, die entweder gerne selbst so gemacht hätten und sich nicht trauen oder die ihrer Natur zuwider sind. Vielleicht kennt Ihr diese Sätze, die Euch rasend vor Wut machen?

Mehr zum Thema findet Ihr auf meiner Instagramseite.

Die Krippen und Kindergarten-Lüge

„Ich finde qualifizierte Fremdbetreuung gut, denn alles kann man dem Kind Zuhause nicht bieten und beibringen.“

Ich weiß gar nicht wie oft ich diese Aussage schon anhören durfte und ich bin jedesmal aufs Neue wirklich traurig darüber. Jedesmal frage ich mich, was genau mit bieten und beibringen gemeint ist: malen, basteln oder soziale Kompetenz? Alle diese Dinge kann ich ohne Probleme meinem Kind auch selbst bieten. Mein Sohn ist nicht täglich mit Kindern zusammen, was ich persönlich auch nicht als verwerflich empfinde.

Sobald er auf andere Kinder trifft ist er offen und will sofort mit ihnen „ins Gespräch“ kommen – leider sind es meist Kindergarten- oder Krippenkinder in seinem Alter, die mit seiner offenen Art nicht umgehen können und kein Interesse zeigen. Aus diesem Grund sollte man gerade bei diesem Thema den Charakter des Kindes sehen und nicht ob es in die Krippe geht oder nicht und bestätigt  mir immer wieder: viele Kinder sind vor dem dritten Geburtstag noch gar nicht so weit, wirklich mit anderen zu interagieren oder gar richtig miteinander zu spielen.

Mein Sohn wird mit drei in den Kindergarten kommen, um dort mit anderen Kindern Zeit zu verbringen. Für mich ist der Kindergarten keine Institution in dem ein Kind gefördert wird und „verlangen“ tue ich dies nur im letzten Kindergartenjahr als Vorbereitung auf die Grundschule. Bei dem in Deutschland bestehenden Ausbildungssystem für Erzieher ist dies wohl in der Regel auch kaum möglich.

Die Langzeitstill-Lüge

„Ein Kind das so lange gestillt wird, ist doch komplett verweichlicht und weinerlich und kann nicht ohne seine Mutter.“

Auch das kann ich widerlegen, denn auch ein zarter Charakter hängt nicht vom Stillen ab. Mein Sohn will alles und jeden kennen lernen und wird sogar mit bald zwei Jahren immer noch nach Bedarf gestillt. Angst? Kennt dieser kleine Junge nicht! Tiere, Kinder und unglaublich viele andere Dinge sind so interessant und wollen sofort ganz genau kennengelernt werden. Kinder die gestillt werden gehen genauso offen und unvoreingenommen, auch ohne ihre Mama an der Hand, auf alles im Leben zu. Mal wieder eine Frage des Charakters!

Die soziale Kontakte-Lüge

„Kinder die nicht in eine Krippe oder in einen Kindergarten gehen, haben später Probleme sich einzugliedern.“

Viele meiner Freundinnen und Bekannten schicken ihre Kinder noch nicht in eine so frühe Fremdbetreuung, also sind die meisten jetzt mit einem Jahr oder auch bald zwei Jahren noch zu Hause und verbringen die meiste Zeit mit ihren Eltern und besonders viel mit ihren Müttern. Jedes Kind hat ein anderen Charakter, den wir als Eltern kaum beeinflussen können. Manche sind scheu, manche sind offener. Das so ein Charakter durch den Besuch einer Krippe in stark beeinflusst wird kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ein Kind, welches ruhig und nachdenklich ist, wird nicht plötzlich nach dem Besuch einer Kita ein offener und extrovertierter Mensch.

Die Bildungs-Lüge

„Wenn ein Kind erst mit drei in den Kindergarten kommt, merkt man sofort, dass das Kind hinterher hinkt und später Probleme in der Schule haben wird.“

Mein Lieblingsbeispiel ist meine eigene Familie: ich bin mit 4 1/2 in den Kindergarten gegangen, mein Bruder mit 5 und meine Schwester hat nie eine Einrichtung für Fremdbetreuung von innen gesehen. Jeder von uns hat sein Abitur gemacht und hat entweder eine Ausbildung oder ein Studium begonnen, ist mitten drin oder hat es abgeschlossen.

Intelligenz hat nichts damit zu tun, ob ein Mensch schon mit einem oder drei oder mit fünf Jahren eine Kita besucht, sondern mit dem Umfeld in dem es aufwächst und was ihm von zu Hause mitgegeben wird. Ob ein Kind schon mit zwei oder drei Jahren mit einer Schere umgehen kann, wird sein Leben als Erwachsener sicherlich nicht beeinflussen.

Die Schlaf-Lüge

„Wenn ein Kind nicht sofort an sein eigenes Bett gewöhnt wird, bekommt Ihr es gar nicht mehr raus. Außerdem können Kinder alleine viel besser schlafen.“

Bei dem Schatz bekomme ich jedesmal wieder Panik, dass Mütter ernsthaft von ihren Kindern erwarten von Anfang an in ihren Betten zu schlafen. Für mich ist das ein richtiger Graus und wie sich alle persönlich auf die Schulter klopfen, als ob sie etwas ganz tolles geschafft haben.

Wir haben ein wirklich großes Familienbett, in dem alle viel Platz haben und sich nicht bedrängt fühlen. Mein Sohn schläft jetzt mit bald zwei Jahren meistens durch und das trotz Familienbett. Kinder zeigen selbst, wann sie bereit sind durchzuschlafen und sich alt genug fühlen, alleine in einem dunklen Raum zu übernachten. Ich würde als so kleiner Mensch auf gar keinen Fall alleine schlafen wollen und kann meinem Kind nicht etwas antun, was ich selbst nicht mal als schön empfinde. Mein Mann, mein Sohn und ich – wir drei können am besten alle in einem Bett schlafen.

Zu dem Thema mit dem „er wird für immer bei Euch schlafen“ – ich gehe stark davon aus, dass die meisten Kinder schon lange vor der Pubertät aus den Familienbetten ausziehen. Wollen wir die gemeinsame Zeit  nicht so lange nutzen wie es möglich ist?

Die Trag-Lüge

„Wenn du nicht bald aufhörst zu tragen , wird dein Kind niemals mehr laufen lernen.“

Ich persönlich bin keine Tragemama – leider. Die Entscheidung hat mein Sohn ganz alleine getroffen. Jedoch kenne ich sehr viele Mütter, die auch heute noch ihre Kinder mit bald zwei Jahren täglich tragen. Auch hier gilt wieder: jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Die Tochter einer Tragefreundin ist schon Monate vor meinem Sohn gelaufen, der Tragen wirklich gar nicht leiden mag. A. läuft sowieso am liebsten selbst, weil er dann alles allein entdecken kann.

Laufen lernen wird durch einen Reifeprozess im Gehirn gesteuert und nicht durch das Tragen gehemmt.

Charakter und Eltern entscheidet

Auch wenn man es nicht glauben mag: Kinder kommen mit ihrem eigenen Charakter auf die Welt und wir Eltern können nur noch bedingt eingreifen. In einigen Lebenslagen können wir sie stärken und fördern, aber Kinder darauf zu reduzieren wann sie in die Krippe oder den Kindergarten gekommen sind und wie lange sie gestillt oder getragen werden ist absoluter Schwachsinn.

Denn man würde es gar nicht glauben: ungestillte und ungetragene Kinder, die schon immer in ihrem Bett geschlafen haben und schon früh die Fremdbetreuung kennen lernten, können genauso einen zarten und introvertierten Charakter haben, wie Kinder die es genau anders erlebt haben und so verhält es sich auch bei offenen und extrovertierten Sprösslingen.

Für mein Kind das Beste

Ich persönlich empfinde, dass es für Kinder keine bessere „Erziehung“ als das bedürfnisorientierte Zusammenleben gibt. Wieso? Weil wir in erster Linie auf unsere Kinder hören sollten und ihnen, so lange sich beide Seiten wohl fühlen, alles geben was möglich ist. Dazu gehören für mich nächtliche Kuscheleinheiten und neben Mama und Papa im Familienbett einzuschlafen und aufzuwachen, Stillen, solange unsere Kinder es für wirklich notwendig halten (und wir Mütter es körperlich und mental schaffen) und wir sollten unsere Babys tragen, da Menschenbabys Traglinge sind und die Nähe lieben.

Wenn man es sich erlauben kann, würde ich mich auch immer dafür aussprechen ein Kind erst dann in die Fremdbetreuung zu geben, wenn es so weit ist. Mit 12 Monaten wäre mein Sohn nicht im entferntesten dafür bereit gewesen. Heute, mit fast fast zwei Jahren, könnte ich ihn im Notfall in einer Betreuungseinrichtung anmelden.

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18 Gedanken zu „Vorurteile über bedürfnisorientierte Erziehung und warum sie nicht stimmen“

  1. Lisi sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Blogbeitrag!!! Ich bin es ehrlich auch schon so leid mich ständig rechtfertigt zu müssen warum ich noch immer trage .. (Baby ist 10 Monate, Midi 2 ) noch immer stille und warum die große Schwester mit 2 noch nicht bald im Kiga anfängt… was ich dem Kind da antue… meine Kids (4 Stück) sind alle sehr sozial, offen, lustig, kreativ (nein, sie müssen keine Schablonenartigen Basteldinge machen die in Wahrheit die Kindergärnterin klebt) 😆 und können super turnen, schneiden und was weiß ich sonst noch… und weißt du was ihre Geschwisterbindung ist super und so herzlich und liebevoll!!! 😍 Danke nochmal!!

    1. Hanne sagt:

      Hm. Du wünschst Dir Verständnis und bist es Leid, Dich rechtfertigen zu müssen. Gleichzeitig bezeichnest Du das, was im Kindergarten hergestellt wird als „schablonenartige Basteldinge“. Warum schimpfst Du so zurück?
      Ich habe meine Tochter zwei Jahre lang gestillt und mich nie dafür gerechtfertigt. Ich habe mich auch nicht als Langzeitstillende bezeichnet. Ich habe das überhaupt nicht thematisiert. Gleichzeitig ist meine Tochter aber mit 14 Monaten zu einer Tagesmutter gekommen. Auch dafür habe ich mich nie gerechtfertigt – es war einfach so und für mein Gefühl hat es uns allen gut getan. Lasst Euch doch gegenseitig leben.
      Mehr Liebe!

  2. Katrin sagt:

    Danke für diesen tollen Beitrag! Du sprichst mir aus der Seele. Als „langzeitstillende“Mama ( ich hasse dieses Wort. In meinen Augen ist das was ich tue normal. Es sollte eher das Wort “ Kurzzeitstillende“ geben)fühle ich mich manchmal ziemlich allein auf dieser Welt und ich frage mich ob es da draußen wohl noch andere Familien gibt die leben wie wir. Ja, jetzt hab ich sie gefunden 😉 deinen Blog werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen! Unsere Tochter ist nun 15 Monate und darf aufwachsen wie euer Kleiner das auch tut.
    Ich hasse die Kommentare der anderen…“ Waaaas, Du stillst immer noch?“….“ sie schläft noch bei Euch? Wie lange denn noch?“….toll ist auch immer “ du musst einen festen Schlafrhythmus einführen „. Ganz ehrlich: ja, es ist gut wenn Kinder oder Babys feste Schlafzeiten haben. Und das hat unsere Tochter auch, aber dieser verändert sich eben auch mal und das ist dann gut und richtig so. Und wenn sie heute eine Stunde früher müde wird als gestern dann darf sie schlafen! Ich hab tatsächlich schon erlebt dass Kinder dann zwanghaft wach gehalten werden. Oder dass ein hungrigen Baby noch 30 Minuten warten musste weil es noch nicht Zeit für den Mittagsbrei war. Ganz ehrlich, hört auf eure Kinder!!!!!!!

  3. Maike sagt:

    Super Beitrag 😊.
    Mein großer ist mit 4 in den Kindergarten gekommen, der mittlere mit 2 ( was ich im Nachhinein als zu früh betrachte ) und mein kleiner , ist jetzt 5 Monate, wird definitiv frühestens mit 3 Jahren in den kiga gehen.

    1. Laura sagt:

      Hallo Maike,

      Dankeschön <3

      Ich bin die ganze Zeit am überlegen... A. wird auf jedenfall mit 3 in den Kindergarten kommen, Baby 2 mit 2 1/2. Hoffentlich ist das nicht zu früh.

      Liebe Grüße

  4. Julia sagt:

    Danke für deinen Beitrag. Wir leben auch das Familienbett und Langzeitstillen. Jedoch muss ich dir in einem Punkt widersprechen, Die Qualität der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern ist mittlerweile sehr hoch in Deutschland. Teilweise dauert die Ausbildung sogar 5 Jahre.
    Leider hat die Berufsgruppe mit einer schlechten Bezahlung und fehlender Anerkennung zu kämpfen. Durch Aussagen, wie „Kinder werden in Kitas nicht gefördert“, trägst du dazu bei

    1. Laura sagt:

      Hey Julia,

      ich habe schon oft Mäuschen auf Spielplätzen etc. gespielt und ich bin ganz ehrlich: Die Damen können kein „Bitte“ und kein „Danke“ und gehen mit den Kindern wie mit Vieh um. Das ist mir nicht nur ein oder zwei Mal aufgefallen, sondern JEDESMAL. Genauso erleben es meine Freundinnen, wenn sie unterwegs sind. Für mich ist das keine Ausbildung, die Abiturienten machen. Meiner Meinung müssten die Damen, die so eng mit Kindern zusammenarbeiten, ein Studium ablegen.

      1. Alini sagt:

        Oh Gott solche dumme Kommentare kotzen mich fast noch mehr an, als die über längere Zeit Stillende… alle Erzieher sind doof, mimimi. Ach und das theoretische Wissen eines Studiums lehrt deiner Meinung gleichzeitig Empathie, Kritikfähigkeit, Kinderliebe, wie man tröstet, wie man mit Kindern spielt??? Armes Deutschland… wer die Möglichkeit hat, kann sein Kind gerne zuhause lassen. Alle Erzieher würden sich wünschen besser bezahlt zu werden, nicht 10! Kinder, wie es nun mal nur der Personalschlüssel vorgibt,gleichzeitig betreuen zu müssen und das meistens wegen Mangel an Räumlichkeiten auf engstem Raum in einer ohrenbetäubenden Lautstärke… ich würde nicht tauschen wollen… für die kleinen sind genau diese Punkte eine Überflutung an Reizen, meiner persönlichen Meinung nach… hat eher was mit dem Staat zu tun, als mit den böööösen Erziehern.
        Grüsse von der tragenden liebevollen Mami, die nicht alles über einen Kamm schert…

  5. Taucherfrau sagt:

    Hallo, ich habe bin angefangen meinen Sohn (vier Monate) an die Beikost Ran zu führen . Stillen klappte nicht selbst Mut Stillberaterin ect kam nicht genug Milch. Also müsste ich mit Flasche füttern, nun merke ich das mein kleiner sich mehr und mehr für unser essen interessiert und nicht mehr satt wird von der Milch.
    Habe nun einen Beikost Kurs belegt und fangen nun am gegarte Sachen zu essen .
    Was ich da von Müttern mir antun muss , diese Mütter können stillen , würde ich auch gern . Aber mich zu verurteilen, das ich nun frisch koche und mein Sohn es gut annimmt finde ich traurig . Es ist egal wie man es macht, man macht es falsch.

  6. Carmen sagt:

    So oder so, als Mutter wird man einfach immer kritisiert. Ich hab es total anders gemacht als du, mein Kind kam mit einem Jahr in die Krippe und ich konnte wieder arbeiten gehen. Mein Kleiner liebt seine Kindergartenfreunde, ist sehr sozial, gut entwickelt und selten krank. Ich bin wieder viel ausgeglichener, weil mir mein Job sehr wichtig ist und ich gern arbeite und unabhängig bin. Kurzum: Mama und Kind sind glücklich und trotzdem kommen immer wieder blöde Kommentare. Also egal wie man es macht, es ist immer falsch 😉

  7. Jenny sagt:

    Ich kann verstehen, dass Du Dich häufig darüber ärgerst, Dich rechtfertigen zu müssen, grade weil Du Dein Kind am Besten kennst und es am Besten beurteilen kannst und eben dadurch als Elternteil am Besten entscheiden kannst, was gut und was eben nicht so toll oder Zuviel für dein Kind ist! Was mich jedoch stört ist, dass in Deinem Blog Deine Lösung als die Beste dargestellt wird! Wir Mütter haben immer so viel Angst was falsch zu machen, dass wir dazu neigen alles zu verurteilen, was nicht unseren Weg entspricht. Wir Muttis wollen damit nichts Böses, wir wollen nur unseren Weg verteidigen und machen damit unbewusst den Weg der anderen Mütter schlecht. Das blöde ist, dass wir damit nur neue Verunsicherung und Verteidigungen schaffen, dabei wissen nur WIR was das BESTE für UNSERE KINDER ist und der Beste Rat ist auf unseren Instinkt zu vertrauen. Kein Weg ist pauschal falsch oder richtig. Jedes Kind ist anders und individuell, was für das eine passt, passt nicht unbedingt für ein anderes. Ich würde mir wünschen, dass jede Mutter den Mut und die Möglichkeiten hat den für Ihren Glauben richtigen Weg zu verfolgen! Ich wünsche mir und ich hoffe, dass es irgendwann so ist, dass es mehr Blogbeiträge gibt, die nicht einen Weg befürworten, sondern den Müttern Mut machen einfach ihren Weg zu gehen, welcher auch immer das sein mag!

    1. Laura sagt:

      Hey Jenny,

      klar gibt es viele Dinge, die man individuell betrachten muss. Da stimme ich Dir zu. Aber es gibt eine Punkte und Wege, die eindeutig zum Vorteil des Kindes sind. Keiner kann einem erzählen, dass zum Beispiel ein Kaiserschnitt besser für ein Kind ist oder das Füttern von Pre-Milch oder das Kind dazu zu zwingen alleine in einem Bett zu schlafen. Genauso tut es keinem Kind gut, mit einem Jahr von seiner Mutter getrennt zu werden. Manchmal hat man als Frau aber keine Handhabe – das Geld reicht nicht, man hat nicht die Ausdauer länger zu stillen etc. Aber dann wird gerne um sich gebissen und die Wege kritisiert, die die Damen selbst gerne bestritten hätten. Das ist mir schon extrem oft aufgefallen. Selten haben Frauen den Schneid dazu ihre Fehler zuzugeben.

      Für mich ist der Beitrag keine Rechtfertigung, sondern soll Frauen Mut machen, die eindeutig FÜR das Kind sprechen und dafür verurteilt werden. Ich wüsste nicht bei welchem meiner Punkte man sich rechtfertigen müsste – ich kenne zu den Punkten keinen besseren Weg. Bei dem Familienbett und Tragen (weil ich es aufgrund meiner Doof- und Unwissenheit mit meinem Großen nicht gebacken bekommen habe) lasse ich mich gerne anders belehren, aber nicht bei Miniwizibabys. Die brauchen die Nähe wie die Luft zum Atmen.

      Liebe Grüße

  8. Juli sagt:

    Solche Artikel oder ähnliche habe ich schon so oft gelesen. Grundsätzlich habe ich gar kein Problem mit den einzelnen inhaltlichen Punkten und wir haben vieles ähnlich gemacht. Was mich immer ärgert ist, dass unter dem Deckmantel des „ich will mich nicht immer rechtfertigen für meine Art die Dinge anzugehen“ eigentlich immer die größte Intoleranz überhaupt steckt. Da wird Stillen oder das Kindergartenthema wir ein Dogma vor sich hergehalten und indirekt alle beschimpf, die es anders machen, weil ja fast schon Kindsmisshandlung. Das ist unfair und selbstherrlich. Was auch jeglicher fundierter Argumentation entbehrt sind Beweise für die eigene starre Meinung wie: alle meine Freunde finden das auch, ider der Sohn der Cousine meiner Nachbarin war soundso weil die alles soundso gemacht hat. Bitte! Was ist das für ein Argumentation. Wenn man hier schon für diese oder jene Methode die Hand ins Feuer legen will, dann würde man doch qualifizierte Belege, wie wissenschaftliche Publikationen mit Cohortenstudien erwarten. Hat aber ein solcher Autor in der Regel nicht zur Hand. Statt dessen wird die eigene Meinung zur goldenen Doktrin und man zur Übermutter, die genau weiss wies geht, nur weil sie mein ein oder zwei Kinder bekommen hat. Herzlichen Glückwunsch. Das haben fast alle Frauen irgendwann. Beschwert euch nicht, wenn ihr für das was ihr macht beurteilt werdet. Wir gesagt, wir haben auch vieles so gemacht (fast alles). Aber ich würde nie dafür kritisiert oder angefeindet. Vielleicht auch, weil ich nicht ständig mit meinen goldenen Weisheiten um mich geschmissen habe. Denkt mal drüber nach wer hier intolerant und überheblich ist.

    1. Laura sagt:

      Liebe Juli,

      dann hast Du den Beitrag nicht so verstanden wie er gemeint war. Ich höre selten von jungen Frauen, dass sie von zu Hause belehrt werden, dass sie LÄNGER Stillen oder das sie das Kind bei sich im Bett schlafen lassen sollen. Nein, meist wird man von Müttern, Großmüttern, Bekannten oder Freunden verurteilt, dass man LANGE STILLT, dass das Kind IM FAMILIENBETT schläft etc. Vielleicht bist Du ja ein Mensch mit viel Selbstbewusstsein, dann herzlichen Glückwunsch. Dir ist aber bewusst, dass der Großteil der jungen Mütter von allen Seiten manipuliert wird, wenn es um bedürfnisorientiertes „erziehen“ geht. Und weißt Du, ich schreibe den Text ja nicht aus meinem Erfahrungsschatz – ich hatte wenige Berührungspunkte, weil sich bei mir das gar keiner trauen würde. Dafür kenne ich unzählige Frauen, die zu Hause für sich kämpfen mussten. Gegenüber der Familie und des eigenen Ehemannes.

      Und ja, ich habe zwei Kinder bekommen und die überhäufe ich mich LIEBE. Jeden Tag. Die werden gestillt so lange sie wollen, die schlafen in meinen Armen ein, die werden getragen und werden in ihrer gewohnten Umgebung gefördert, bis sie trocken sind und sich vernünftig artikulieren können. Die ersten drei Jahre lernt das Kind am aller meisten – da mein Mann, unsere Familie und ich bildungstechnisch höher Qualifiziert sind als einige (nicht alle!) Erzieher und dazu noch unsere Geborgenheit geben, ist es natürlich unzählige Male besser unsere Kinder so lange zu Hause zu hüten. Es gibt genügend Forschungsmaterial zum Thema Familienbett, Stillen oder auch frühkindlicher Erziehung. Frei von dem kann ich klar sagen, dass ich alles richtig mache und das gerne anderen Frauen weiter gebe. Klar bin ich bei den Punkten intolerant, da ich nicht wüsste, welcher ERWIESEN der beste Weg wäre. Ich habe mich lange mit den Themen auseinander gesetzt und sorry wenn ich den Satz „Wenn es der Mutter gut geht, dann geht es dem Kind auch gut.“ höre, wird mir schlecht.

      Liebe Grüße
      Laura

  9. Barbara sagt:

    So kann man es auch sehen. Ich bekomme bei den meisten Sachen genau den gegenteiligen Gegenwind. „Warum trägst Du Dein Kind nicht, so bekommt er nie die Bindung zu Dir, die er benötigt!“ – „Wie, Du gibst die Flasche!? Das Kind braucht doch Muttermilch, alles andere ist schädlich.“…
    Ich hab keine Lust mehr mich jedes mal rechtfertigen zu müssen, erklären zu müssen, dass ich eben nicht tragen kann und trotzdem ein Mamakind von der allerfeinster Sorte habe, dass wir früh abgestillt haben, weil wir Beide die Flasche entspannter fanden und ich denke, so schlecht kann die Flaschenmilch nicht sein, bisher war der Junior wenig krank.
    Aber so ist das Mutterleben, wie man es macht ist es falsch

    1. Laura sagt:

      Hey Barbara,

      also das mit dem Tragen habe ich selbst, tut mir leid für die Ausdrucksweise, beim Ersten verkackt. Ich hatte null Ahnung und jetzt habe ich beides: Ein Tragekind und ein Kinderwagenkind. Was ist enger? Eindeutig das Tragekind. Ich bereue es zu tiefst bei meinem Ersten, mich nicht genug informiert zu haben.

      Aber Abstillen, weil es entspannter ist? Puh, finde ich nicht gut. Mutterschaft ist nie entspannt und sollte es auch nicht sein. Stillen ist doch um einiges mehr als Nahrungsaufnahme, also so empfinde ich das. Ich genieße die Zeit richtig, weil mein Kind mir so unglaublich nah ist.

      Liebe Grüße
      Laura

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