Bedürfnisorientiert leben und Vorurteile | Weshalb Augenhöhe siegt

26. Oktober 2017

Täglich wird man im Social Media mit den größten Anfeindungen und Vorurteilen konfrontiert. Gegenüber Müttern, die stillen – Mütter, die tragen – Mütter, die im Familienbett schlafen und allgemein ALLES was mit dem Thema Bedürfnisorientiert in Zusammenhang steht. Auf Facebook unter Blogbeiträgen und Elternmagazinen, in Facebookgruppen, in Foren oder auf Instagram. Überall wollen „Gegner der Liebe“ (anders kann man es nicht mehr nennen) einem den Instinkt zerstören.

Dieser Text richtet sich an Dich: Mutter, die stillt oder Mutter, die trägt oder Mutter, die im Familienbett schläft oder einfach an Dich als Mutter, die aus unerklärlichen Gründen für Ihre Liebe in die Ecke gedrängt wird – und die, die gerne etwas ändern wollen oder schwanger sind. Die Hassmenschen dürfen nun bitte gehen.

Was man sich aussetzen muss

Öffentlichkeit

Bis jetzt hatte ich, zum Glück, mit verbalen Angriffen nichts zu tun gehabt. Aber diese Blicke, meist von Frauen, die es gar nicht gerne sehen, dass man ein Baby in der Öffentlichkeit stillt kenne ich zu gut. Ich habe mich wirklich klein gefühlt, wenn sowas aufgetreten ist. Als ob ich etwas falsch machen würde und aus dem Grund werde ich mit bösen Blicke bestraft.

Für mich war das einfach schrecklich und so zog ich mich in Umkleidekabinen oder Toiletten zurück, um vor diesen Blicken geschützt zu sein.

Über Themen wie bedürfnisorientiertes Begleiten hat man sich kaum getraut zu reden. Es könnte sich ja jemand auf den Schlips getreten fühlen und denken, dass man ihn angreifen will.

Social Media

Anders ist es jedoch im Social Media. Hier werden die Stimmen besonders laut. Man darf sich gar nicht für das Stillen, für das Tragen, für das Familienbett, für bedürfnisorientiertes Begleiten oder spontane Geburt aussprechen. Man ist sofort in irgendeiner Müttermafia, eine Helikoptermutter oder sieht sich angeblich als Übermutter. Das ich persönlich diese Frauen gar nicht ansprechen möchte, sondern Schwangere und unentschlossene, wird gar nicht registriert. Der blinde Hass und das man sich angegriffen fühlt, stehen im Vordergrund. Man muss sich mit aller Gewalt rechtfertigen, obwohl man nicht einmal angesprochen wurde. Im Internet geht es einfacher als in der Realität. Hier ist es das geschriebene, offline ist es der böse Blick.

In Foren wird sich über Mütter aufgeregt, die auf Instagram in den Stories stillen. Man würde das Kind nur zur Tarnung an die Brust legen, damit man Aufmerksamkeit bekommt, seine Kinder instrumentalisiert und verkaufen und ihnen keine Aufmerksamkeit schenken, da man eine, wenige Sekunden lange, Story hochlädt oder Stillbilder veröffentlicht.

Mütter, wie Sara Kulka, werden als Stillmuschis und aufmerksamkeitsgeil auf Facebook beschimpft. Man hätte nur seine Brüste und sonst nichts.

Weshalb wir nicht aufhören dürfen

Ich wäre glücklich gewesen, wenn ich schon lange vor meiner Schwangerschaft mit diesen Themen in Berührung gekommen wäre. Stillende Frauen habe ich in der Öffentlichkeit vor A.s Geburt nur einmal gesehen – und ich war erschrocken. Die Dame zog sich für das Stillen obenrum komplett aus. Für mich eher Abschreckung als Vorbild. Das es anders geht wusste ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht erst.

In den Medien wurde nie groß über das Thema geredet und groß Gedanken habe ich mir nicht gemacht. In der Öffentlichkeit habe ich selbst erst 4 Wochen nach A.s Geburt in ein einem Restaurant gestillt aber oftmals bin ich, wenn zu viele Menschen anwesend waren, auf die Toilette gegangen. Wenn ich darüber nachdenke, kommen mir die Tränen. Aber woher hätte ich das Selbstbewusstsein nehmen sollen? Ich kannte nicht eine Frau, ob on- oder offline, die öffentlich gestillt hat und sich dazu auch noch bekennt. So verhielt es sich mit allem. Als ob es Tabuthemen waren: zu Stillen, zu Tragen, in einem Familienbett zu schlafen oder sich komplett auf die Bedürfnisse des Kindes einzulassen.

Hätte es in meinem Fall anders laufen können? JA, auf jedenfall!

Ich wäre gerne auf Instagram Accounts, Facebookseiten und Blogs gestoßen, die diese Themen immer wieder aufgreifen. Vor drei Jahren war dies aber noch nicht wirklich präsent und nicht wirklich greifbar. Es gab natürlich die großen Erziehungsblogs und Magazine aber das junge, intelligente Frauen sich das Thema auf die Fahne schreiben, habe ich eigentlich gar nicht erlebt.

Jedesmal wenn ich in der Öffentlichkeit Frauen sehe, die über das alles reden oder sich trauen zu stillen, freue ich mich. Ich habe so ein richtig gutes Gefühl in mir und erinnere mich richtig wehmütig an meine Stillzeit zurück. Überall gibt es diese Frauen, die anderen Frauen Mut machen und die ein oder andere zum Nachdenken anregen.

Wir können Schwangeren und vielleicht sogar ein paar unglücklich Gescheiterten Mut machen und ihnen etwas nahe bringen, dass sie aus ihrem Umfeld nicht kennen. Nicht alles ist ein Muss, aber solange sich nur eine Frau etwas davon rauspickt, für sich umwandelt und umsetzt, hat sich die Mühe gelohnt. Jede weitere Frau, die öffentlich zu diesen kontroversen Themen steht, ermutigt eine Neue darüber zu sprechen und es öffentlich zu leben. Niemand soll bekehrt werden, aber wir können zum Nachdenken anregen.

Vergesst nie

Hört NIEMALS auf öffentlich diese Liebe auszuleben. Natürlich können wir keine der Frauen umstimmen, die sich bereits dagegen entschieden hat und felsenfest der Meinung ist, dass Richtige zu tun. Aber vielleicht können wir Schwangere auf die Reise mitnehmen und ihre Unsicherheiten und Zweifel mindern oder Müttern Mut machen, die es beim ersten Mal aufgrund schlechter Ratschläge nicht schafften zu stillen oder die sich durch die Gesellschaft zu etwas leiten lassen haben, was gar nicht ihrer Natur entspricht. Sobald wir aufhören uns zu zeigen, darüber zu reden und probieren anderen zu Helfen, verschwindet das Thema komplett von der Bildfläche. Jede Frau, die öffentlich dazu steht, ermutigt andere dies auch zu tun. Blendet alle Kritiker einfach aus.

Wir möchten damit niemanden runter drücken, sondern anderen Frauen Mut machen.

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15 Gedanken zu „Bedürfnisorientiert leben und Vorurteile | Weshalb Augenhöhe siegt“

  1. Jana sagt:

    Danke für diesen schönen Beitrag! Ich stille öffentlich, lasse meinen kleinen Junior im Familienbett schlafen, helfe ihm durch Windelfrei seinen Bedürfnissen auch in diesem Bereich nachzugehen und trage ihn auch mit einem Jahr noch, wenn er keine Lust auf den Buggy hat. Schreien lassen und ähnlicher Quatsch kamen für mich nie in Frage. Und ja, für meine „alternative“ Haltung muss ich mich immer wieder rechtfertigen. Aber mittlerweile stehe ich da drüber. Allen Müttern, die das kennen, wünsche ich viel Kraft.

  2. Silvana sagt:

    Völlig richtig!! Frau wird viel zu viel verunsichert, oftmals wird sich ungefragt eingemischt und man braucht ein gehöriges Selbstbewusstsein, um zu seiner „Liebe“ zu stehen und bei seinem (Bauch-) Gefühl zu bleiben.
    Bei mir fing das bei der Spontangeburt trotz Beckenendlage ( „UNVERANTWORTLICH! „) an, zog sich über die „lange“ Stilldauer (grade mal 14 Monate…),
    das grundsätzliche NIEMALS-schreienlassen, das späte Kindergarteneintrittsalter (erst mit 3 1/2Jahren), bis zur (natürlich luxuriösen und nicht bei jeder Frau möglichen) Entscheidung, nach 6 Jahren bei zwei Kindern immernoch „nur“ zu Hause zu sein und „ nicht zu arbeiten“ (haha).
    Es ist schön, wenn man liest, dass man sooooooo exotisch doch gar nicht ist! Danke, für die vielen schönen Beiträge und weiterhin alles Gute und viel Mut!!

  3. Julia sagt:

    Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Erlebnisse zu so einem Thema sein können und frage mich, ob dieses Thema in unterschiedlichen Regionen verschieden behandelt wird. Ich bin beispielsweise aus Wien und für mich war es von Anfang an selbstverständlich mein Baby zu stillen wenn es hungrig ist und nicht da und dort wie und wo es anderen passt. Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Ich kann mich nur an eine Situation erinnern, in der mir das Stillen unangenehm war – es war das erste Stillen in der Öffentlichkeit. Ich kenne Mütter, die auch noch ihre laufenden Kinder in der Öffentlichkeit gestillt haben. Ich kann mich nur an eine Situation in einem Restaurant erinnern, an der ich eine Mama mit Baby und Partner im Vorfaum eines WCs angetroffen habe. Zuerst dachte ich, dass sie sich umzieht oder ähnliches, aber das sie wirklich diesen Ort aufgesucht hat um ihr Baby zu stillen hat mich schockiert. Das denke ich, wäre für mich unangenehm gewesen.
    Ich habe mir auch nie Gedanken darüber gemacht wenn es um das Tragen geht – eher darüber, wie lange mein Rücken das noch schafft…
    Auch, dass meine Tochter in der Nacht jederzeit zu uns kommen durfte und darf war für mich immer selbstverständlich. Allerdings wäre es für uns nicht angenehm, wenn sie auch dort einschlafen würde und die ganze Zeit bei uns liegen würde.

  4. DKN sagt:

    Ich finde den Beitrag wirklich interessant. Mein Abstillen mit 10 Monaten wurde extrem kritisiert was ich meinem Kind da antue und nicht mehr auf seine Bedürfnisse eingehe und das meine kinder nur ein Jahr im Familienbett gelegen sind wurde mit einer Kindesweglegung gleichgesetzt. Den Spießrutenlauf hab ich genau anders rum erlebt. Wäre schön wenn beide Seiten einander leben lassen könnten.

  5. Birgit Neu. sagt:

    Herrlich zu lesen. Bis dato wurden wir noch nie angepöbelt aös ich öffentlich im Drogeriemarkt im Geschäft im Möbelhaus … gestillt /gewickelt habe. Ich war äußerst positiv überrascht dass ich teilweise sogar Zuspruch bekam.

    Ich bin eine Mama mit Herz und ich liebe mein Leben mit Kind. Er ist 5 Monate wird voll nach Bedarf gestillt und viel getragen und ich schlafe im Familienvett. So ist Minimann
    Glücklich und zufrieden und Mama kpmmt auch schneller wieder zum Schlaf. Ich bin von meinen Entscheidungen überzeugt und ich bin dafür dass mein kind sich selbst abstillen sollte und auch dann frei sagen soll wenn er nicht mehr vei mama/papa schlafen möchte…

  6. Tina sagt:

    Ich finde den Artikel auch toll, habe es aber auch wie unten bereits beschrieben eher umgekehrt erlebt. Ich habe meine Tochter gerne und auch in der Öffentlichkeit gestillt. Mit etwa 9 Monaten wollte sie nicht mehr an der Brust trinken und für mich hat der Zeitpunkt auch gut gepasst. Musste mich dann eher rechtfertigen, warum ich schon! abstille. Getragen wurde meine Maus genauso, wie im Kinderwagen geführt. Und vor meiner ersten Geburt war mein größter Wunsch eine spontane, natürliche Geburt. Es sollte nach 2 Tagen Wehen und Geburtsstillstand jedoch nicht sein und meine Maus musste per Notkaiserschnitt geholt werden. Deshalb finde ich es immer leicht zu sagen, dass man für eine spontane Geburt ist, wenn bei einem selbst alles gut geklappt hat. Nicht immer verläuft alles nach Wunsch. Trotz Kaiserschnitt lebe ich eine bindungsorientierte Beziehung mit meinem Kind und bin einfach nur froh, dass sie gesund und glücklich ist. 😊

    1. Laura sagt:

      Hallo Tina,

      mir geht es dabei immer um Frauen, die sich extra für einen Kaiserschnitt entscheiden. Leider gibt es davon wirklich sehr viele (ich habe eine große Facebookgruppe für Mamas 2018 und da finden ganz viele das toll!). Ich glaube da kommt es wirklich an in welcher Umgebung man sich aufhält. Da wir beide bestimmt viele Bekannte und Freunde haben, die so ähnlichen leben wie wir, sind wir trotzdem die Minderheit – leider. Wenn ich das mit den 9 Monate stillen lese und das gefragt wurde, wieso Du so früh abgestillt hast, zeigt es doch am besten. Neben meinen engen Freundinnen kenne ich kaum wen, der länger als 3 bis 6 Monate gestillt hat. Wir als „bindungsorientierte Mütter“ haben einfach ein anderen Blick dafür 🙂

      Liebe Grüüße

  7. Christina sagt:

    Hallo
    Danke für den schönen Beitrag. Ich finde auf die Bedürfnisse seines Kindes einzugehen sollte selbstverständlich sein. Jedes Kind hat andere Bedürfnisse und jede Familie erzieht anders. Ich würde mir da mehr Toleranz auf allen Seiten wünschen. Ich habe eine Frage, wie vereinbarst du eurer bedürfsorientiertes Leben damit, dass du eurer Kinder im Internet zeigst? Sie können es ja nicht selbst entscheiden bzw das Ausmaß nicht greifen. Ist nicht böse gemeint. Ich würde mich über eine Antwort freuen. Viele Grüße

    1. Laura sagt:

      Hey,

      ich weiß genau was Du meinst und ich fasse die Frage auch nicht böse auf. Ganz ehrlich: Ich finde es selbst schwer. Ich bin mit Medien genauso aufgewachsen wie meine Kinder – ich hatte meine erste Website mit 7 Jahren, die es heute sogar noch gibt. Auf der Seite meiner Schwester gibt es sogar ein gemeinsames Bild von uns drei Geschwistern. Da ich es als Kind schon so kannte, empfand ich es nie als schlimm. Ich habe am Anfang auch viel mehr von meinen Kindern gezeigt, merke aber, dass ich viele Bilder nicht mehr so gerne teile. Sobald meine Kinder sagen: MAMA ICH WILL DAS NICHT, wird alles gelöscht. Ausnahmslos. Ich achte darauf, dass die Namen meiner Kinder nicht ausgeschrieben werden, damit man sie über Google nicht finden kann. Für mich das aller wichtigste: WAS können Fremde später einmal über die Googlesuche finden. Instagram wird es in 10 Jahren nicht mehr geben. Da mache ich mir weniger Gedanken.

      Ich hoffe, ich konnte ein wenig Deine Frage beantworten.

      1. Christina sagt:

        Ja, danke für die ehrliche Antwort.

  8. Antje sagt:

    Ich kann mich nur immer wieder wundern und freuen welch wundervolles Vorbild ich in meiner Mama seit nun 34 Jahren habe!
    Sie hat mich und meinen Bruder mit voller Überzeugung bedürfnisorientiert erzogen: Ob lange stillen oder im Familienbett schlafen lassen – für sie war das eine Selbstverständlichkeit obwohl sie sich besonders ihrer Schwiegermutter gegenüber sehr rechtfertigen musste.
    Aber ich dachte immer genau DAS sei es eben: Über 30 Jahre her, dass man sich dafür „rechtfertigen“ musste. Für mich war es eine Selbstverständlichkeit meinen Sohn ebenfalls genau so großzuziehen.
    Ich habe mir da ehrlich gesagt auch nie einen Kopf drum gemacht. Für mich war stillen, Tragen, Familienbett genauso etwas normales wie ich mir abends die Zähne putze. Auch stillen in der Öffentlichkeit war vollkommen normal – wenn mein Baby Hunger hatte hat es eben etwas zu essen bekommen, natürlich! Obwohl ich zugeben muss mir auch ab und an mal ein ruhiges Plätzchen gesucht zu haben. Aber weniger wegen schlechter Erfahrungen oder böser Blicke, sondern um mir und meinem Sohn ein wenig Ruhe zu gönnen und weil er beim trinken manchmal sehr geschmatzt hat. Das mag ich bei Erwachsenen auch nicht also fand ich es nicht ok anderen Leuten das beim Essen im Restaurant aufzuzwingen mit anzuhören (oder das Milch wieder ausspucken mit anzusehen). Aber das war für mich auch ok. Ich habe mich nie in eine Toilettenkabine gezwängt sondern habe nach einem stillen Platz oder Nebenraum gefragt und es wurde immer ein Platz für mich gefunden. Vielleicht liegt es auch genau daran (dass ich mit einem solchen Selbstvertrauen das angegangen bin weil es für mich eben so normal war das genauso zu machen), dass ich keine schlechten Reaktionen bekommen oder diese einfach nicht wahrgenommen habe.
    Aber genau wie manche auch vor mir schon geschrieben haben habe ich die Erfahrung eher umgekehrt gemacht. Gar nicht mal im Familien- oder Freundeskreis. Aber im Internet oder im Gespräch mit andern Muttis kommt man sich echt schlecht vor wenn nicht ALLES Bio und mega Alternativ ist… „Wie, du benutzt Windeln??? Das geht ja mal gar nicht!“, „Kaiserschnitt? Hätte ich nie im Leben gemacht!“ (ohne wäre ich jetzt aber wohl nicht mehr am Leben und mein Sohn vielleicht auch nicht… „ach quatsch, das ist nur eine Ausrede! Die Natur hat uns Frauen dazu gemacht NATÜRLICH zu entbinden“, Ja danke fürs Gespräch!), „Du gibst deinem Baby Brei? Das ist aber nicht sehr förderlich. Besser ist es wenn schon die Kleinsten weiches Gemüse mit den Fingern essen. Der Motorik wegen und so! Hast du dich darüber etwa nie informiert???“ (Nee war wohl zu sehr mit kuscheln und spielen mit meinem Sohn Beschäftigt…)
    DA kommt man sich auch echt schlecht vor! Als Mutter. Neben all DIESEN Supermüttern.
    Da hab ich mich in meiner Blase ehrlich gesagt wohler gefühlt und tue ich bis heute noch. 🙂

  9. Katrin sagt:

    Du schreibst mir aus der Seele!
    Ich habe ständig das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen, nur weil ich gerne “ so natürlich wie möglich“ und bedürfnisorientiert lebe.

    1. Situation:
    Ja, ich habe als Erstgebärende natürlich entbunden- trotz Beckenendlage. Das geht- wenn auch nur in wenigen Kliniken. Schade, dass so viele Ärzte ihr Handwerk verlernt haben. Aber warum musste ich mich im Bekanntenkreis schon vorab blöden Kommentaren aussetzen, nur weil ich gesagt habe dass ich es versuchen möchte? Wie eine Geburt wird weiß man vorher nie, und fast wäre es auch doch ein Kaiserschnitt geworden. Aber warum musste ich mich dafür rechtfertigen es erstmal “ so natürlich wie möglich“ zu versuchen? Die Natur hat sich doch so vieles dabei gedacht, warum also soll ich direkt einen Kaiserschnitt machen lassen? Und WARUM quatschen Menschen vorab und ungefragt rein???
    2.Situation:
    Ich stille meine Tochter, die mittlerweile über 2 Jahre alt ist. Das hätte ich selbst niemals gedacht. Ich verstehe, dass ich es mittlerweile erklären muss, weil einfach viele Menschen zu wenig über die Vorteile des Langzeitstillens wissen. Aber meist komme ich gar nicht zu einer Erklärung sondern bin fassungslosen Kommentaren ausgesetzt.Ich stille mein Kind nicht in der Öffentlichkeit, die Kommentare kommen von Freunden! Wir stillen auch nur noch abends/ nachts/ morgens beim Aufwachen. Ich störe also niemandem damit, trotzdem hat fast jeder eine sehr abwertende Haltung.
    Ich hasse übrigens das Wort Langzeitstillen. Viel mehr sollte es das Wort Kurzzeitstillen geben. Das wäre dann für mich der Fall von “ so, mein Kind ist jetzt 4 Monate. Auf den Tag genau. Ab heute gibt es Brei anstatt Brust.Auf den Brei Gläschen steht doch ‚ab 4 Monate‘. Endlich hat das lästige Nuckeln ein Ende und ich kann wieder Alkohol trinken“.
    Ich hätte mir selbst nicht vorstellen können so ein großes Kind zu stillen. Aber doch nur, weil man es in unserer Gesellschaft nicht kennt! Meine Mama hat mich auch 2 1/4 Jahre gestillt. Als ich das erfahren habe fand ich es damals auch befremdlich. Heute bin ich ihr dankbar.
    Ich bin so froh, dass ich zusammen mit meiner Tochter “ gewachsen“ bin und Vorurteile abgelegt habe!

    Früher dachte ich z.b. “ ohje, wenn der erste Zahn kommt muss ich sie eh abstillen. Beißen darf sie mich nicht „.
    Später hab ich gedacht “ die Arme Maus hat solche Schmerzen und das Stillen hilft so enorm. Hoffentlich stillen wir noch bis alle Zähne da sind“.

    Ich bin immer wieder erstaunt was das Stillen bei ihr bewirkt. Und auch meinem Mann geht es so- so dass er zum Glück voll und Ganz hinter uns steht! Völlig überladen mit Eindrücken auf einer Geburtstagsfeier ( sie wurde quengelig) haben wir uns zum Stillen in der Toilette versteckt. 5 Minuten später hat sie fröhlich weitergespielt und hatte so viel Spaß. Manchmal braucht es einfach eine Portion “ sicherer Hafen Mama“ und den “ Powerdrink“ 😉

    Ich habe eigentlich ab dem 5.Monat nur noch heimlich gestillt. Ich würde mich gerne trauen offener über das Thema zu sprechen. Aber das ist echt schwer.
    Zumindest wenn man umgezogen ist und neue Freunde sucht….

    3. Situation:
    Familienbett.
    Immer wieder lustig.Wohnungsbesichtigung. Verwunderte Blicke über das fehlende Bett im Kinderzimmer 🙂 ja, das steht neben unserem Bett. Und es ist super so. Keine schlimmen Nächte, kein Aufstehen, kein brüllendes Kind.
    Dafür ganz viel Familienkuscheln und Geborgenheit.
    Warum sich so wenige mit dem Thema beschäftigen und noch veraltete Bedenken haben weiß ich nicht.
    Aber ich stehe darüber 😉

    Danke für deinen tollen Blog! So habe ich nicht ständig das Gefühl, dass mein Mann und ich “ alleine“ sind!

  10. Katrin sagt:

    Ach ja, fast vergessen…

    4. Situation, und momentan echt schlimm für mich:
    Ich begleite meine Tochter durch “ Trotzanfälle“. Nehme mir Zeit und besprechen danach auch noch was da passiert ist.
    Dann aber diese Kommentare “ die will nur Testen, das sind die Machtkämpfe….Bla bla“
    Puh, echt anstrengend.
    Bedürfnisorientiert heißt ja schließlich nicht dass es keine Grenzen gibt. Im Gegenteil- bei uns gibt es Regeln. Weniger als bei manchen andern, dafür konsequent und beständig

  11. Lemmi sagt:

    Hallöchen,
    Ich bin eine überall Stillmami, eine 4 Tragevarianten Tragemami, Baby bei mir schlafen lass Mami… Ich würde behaupten, eine Mami, die ihren Instinkten folgt.
    Wurde ich in der Öffentlichkeit damit schief angeschaut? Vielleicht… Wer weiß… Kenne ich die Gedanken der Menschen, die uns anschauen? Nein… Vielleicht sagt mir ein Blick auch, dass diese Mami das Tragen oder das Stillen in der Öffentlichkeit toll findet, vielleicht ein Reumütiger Blick. Vielleicht auch Unverständnis. Wer weiß… Ich habe keine Ahnung… Es interessiert mich aber auch nicht die Bohne, was jemand anderes denkt. Ich bin die Mami des kleinen Minni’s der die Brust braucht, der es liebt an mich gekuschelt die Welt zu erkunden und es sind meine Nächte, in denen ich viel mehr Schlaf bekomme mit dem Mini neben mir. Anfeindungen habe ich bisher noch nie erlebt, eher Fragen der älteren Generationen oder Verständnis von den Menschen, die ich gerne und oft um mich habe, wenn ich ihnen erkläre warum ich das mache oder einfach nur sage, weil ich es eben so mache. Ist das denn nicht wichtiger? Ein Umfeld was einen versteht und unterstützt? Für mich ist es das. Die anderen Menschen, egal was ihre Blicke sagen wollen, sind doch egal. Im besten Fall sehe ich Sie einmal und nie wieder.
    Aber das, was ich nicht verstehe ist, dass irgendwie die Familien, die Eltern, die Mamis mittlerweile in Klassen eingeordnet werden. Stillen vs. Flasche, Tragen vs. Kinderwagen, Familienbett vs. Kinderbett, Baby led weaning vs. Brei, spontane Geburt vs. Kaiserschnitt… Ich verstehe nicht was das soll. Darf nicht jede Familie das machen, was zu der Familie passt? Ohne das es kommentiert wird?
    Ist es nicht wichtig, auf die Bedürfnisse der Babys und der jeweiligen Familie einzugehen? Vielleicht wollte eine Mami nicht stillen, völlig io. Vielleicht schläft ein Baby im Kinderwagen super und in der Trage schreit es sich die Seele aus dem Leib etc. Ich finde es ist so wichtig, dass wir wertschätzen was jede Familie mit Kindern leistet und bei uns bleiben und nicht darauf schauen was andere machen. Wenn das jeder tun würde, jeder respektieren würde wie andere Familien es handhaben, dann würde kein Streit aufkommen. Aber jeder denkt, er tue das richtige und allerbeste fürs Kind. Stimmt ja auch, solange man die eigene Meinung niemandem überstülpen will.

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