Wie nachts abstillen? Tipps und unsere Geschichte

11. Dezember 2019

Heute schreibe ich einen Text, von dem ich selber nie geglaubt habe, dass ich ihn jemals schreiben werde.

Ich habe nachts abgestillt. „Bam! Wie das?! Hat sie nicht monatelang, JAHRE lang propagiert, dass sie ganz allein ihre Tochter entscheiden lassen will, wann sie nicht mehr stillt!?“

Es muss allen gut gehen


Moment – habe ich das wirklich? Eigentlich habe ich immer nur gesagt, ich stille solange es uns beiden gut geht und „aus heutiger Sicht kann ich mir vorstellen, dass komplett sie entscheidet wann Schluss ist“. Denn auch beim Stillen gilt, wie immer bei bedürfnisorientierter Elternschaft: es geht um die Bedürfnisse ALLER Familienmitglieder. Es muss allen gut gehen.

Und so kam der Winter und die Krankheiten. Meine Tochter war mittlerweile drei Jahre alt geworden und wir schlitterten von einer schlimmen Krankheit in die nächste. Und was tun Stillkinder (vermehrt), wenn sie krank sind: stillen. Die ersten zwei Dezemberwochen, geprägt durch eine langwierige Mittelohrentzündung, habe ich wieder VOLL gestillt. Eine Dreijährige! Das Stillen war so anstrengend wie lange nicht mehr… empfunden habe ich es sogar als so anstrengend wie noch NIE.

Das Kind wurde gesund. Das Stillen weniger. Aber für mich immer noch zu viel. Ich wurde Zunehmens genervter. SO wollte ich nie stillen. Es war nicht mehr schön. Zusätzlich schwebte „die erste Nacht ohne einander“ (im Februar) bedrohlich über uns. Es wäre ja für den Papa sicherlich deutlich leichter, wenn sie dran gewöhnt wäre, nachts ohne Brust wieder einzuschlafen.

Ich suchte das Gespräch mit meiner Tochter

Was also tun? Ich suchte das Gespräch mit meiner Tochter. Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht mehr so oft stillen will. Dass ich Pausen brauche. Dass mir der Busen weh tut, wenn sie so viel und lange nuckelt. Und so haben wir gemeinsam beschlossen: wenn die Mama schläft, dann schläft der Busen auch. Einschlafstillen und „nachstillen“ solange ich selber noch nicht im Bett bin, haben wir beibehalten. Das war am 28.12. Und ich hatte große Sorgen durchzuhalten! Letztlich war (und ist!) das Stillen nachts so viel schneller „erledigt“ als das Kind anderweitig zum Schlafen zu bringen, dass ich mir nicht sicher war, ob ich es schaffe.

Die erste Nacht ohne Stillen

Sie wollte tatsächlich, plötzlich und unerwartet nur einmal stillen! NUR EINMAL! (Vorher lagen wir noch bei unglaublichen 6-10x pro Nacht!!!) Und als es die Brust dann nicht gab, hat sie noch nicht mal geweint. WOW. Natürlich war sie länger wach, wusste nicht wie sie liegen soll, ob Wasser trinken eine Idee wäre, sie hat sich durchs Bett gewühlt.

Und obwohl sich das Ganze wie eine halbe Ewigkeit angefühlt hat, habe ich durchgehalten. Ich sag’s euch: Zu stillen und sofort Ruhe zu haben war enorm verlockend! Das erste Mal gestillt habe ich allerdings tatsächlich erst um 7.00 Uhr in der Früh als unsere Nacht vorbei war.

Die zweite Nacht war ähnlich gut, sie war nur einmal wach, hat diesmal kurz geweint, ist aber dafür auch schneller eingeschlafen – TOP. SO LEICHT sollte es sein? Hab ich den richtigen Moment erwischt? Glück? Eine enorm verständnisvolle Tochter? Oder einfach die richtige Innere Überzeugung?

SO LEICHT sollte es sein? 


Doch dann kam die dritte Nacht. Sie war sehr kurz und sehr hart. Meine Tochter war mindestens 1,5h laut motzend, jammernd und weinend wach. Der Mann und ich auch. Ich bin gedanklich geschwankt zwischen „stillen damit endlich Ruhe ist“ und „ich stille NIE WIEDER“. Ihr kennt das, nachts ist man nicht man selbst. Um 6 konnte dann – trotz stillen – niemand mehr schlafen.


Dennoch: Ich blieb dran. Wir redeten weiterhin jeden Tag mehrmals darüber, wie die Nacht ablaufen wird („Mama ich schaff das schon!“). Umstellungen, Umgewöhnungen dauern schließlich bis zu drei Wochen. Unsere Nächte sahen weiterhin annähernd gleich „gut“ (?!) aus, wir hatten uns eingegrooved.

Sie wurde recht schnell nur noch um die dreimal wach, bissi wühlen, bissi motzen – aber alles zu ertragen. Wobei ich sehr hoffte, dass die nächtliche Beruhigungsarbeit dann wegfällt, wenn wir uns dran gewöhnt haben.


Denn ja, ich stillte nicht mehr, aber besser oder gar durch schlafen tat ich dadurch noch lange nicht! Ich habe nachts abgestillt als meine Tochter 3 Jahre alt war. Ihr kognitives Verständnis für die Situation war also deutlich größer als bei einem vielleicht 1,5 Jahre altem Baby.

Ich berichte daher ausschließlich von diesem unseren Weg, der nur eine Erfahrung und keine Empfehlung darstellt. Stillberaterinnen können euch individuell unterstützen, ja auch und gerade beim abstillen. Wichtig ist letztlich aber nur, dass ihr abstillt, weil IHR SELBST es nicht mehr wollt – nicht aufgrund des Umfeldes oder mangelnder Information.


Über Wiebke und Piepmadame

Wiebke hat das Leben vor über 17 Jahren von Deutschland nach Wien verschlagen. Hier hat sie studiert, geheiratet und vor fünf Jahren ihre Tochter bekommen. Das Mama werden und Mama sein hat ihre Interessen hin zu kindlicher Entwicklung, Erziehung und Bindungspsychologie gelenkt.

Kinder wirklich wahrzunehmen, zu begleiten und von ihnen zu lernen, wie wir zu besseren Menschen werden können stehen dabei im Mittelpunkt. Wiebke scheut sich nicht, kritische Themen anzusprechen und Althergebrachtes zu hinterfragen. Kontrovers, direkt, authentisch. Sich selbst und andere in Frage stellen.

Piepmadame ist kein Weichspüler Profil. Es geht nicht (nur) um schöne Bilder und sanfte Worte. Wiebke will aufrütteln, bewegen und etwas verändern. Sie bespricht sensible Themen, wie Langzeitstillen und Bindungsorientierte Elternschaft ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

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