Minimalismus im Kleiderschrank | Von Kaufsucht zum Minimalisten

         
Minimalsmus. Ein für mich bis dato unbekanntes Terrain. Wieso sich zurückhalten, wenn man immer und überall konsumieren kann? Pure Glücksgefühle stiegen auf, wenn ich den Karton mit der neusten Fast Fashion öffnete und genauso schnell flogen die Sachen wieder in die Ecke des Kleiderschranks – meist ungetragen. Es ging um das Haben und nicht ums Brauchen. Meine Geschichte von naher Kaufsucht bis zum Ende dieses Rausches könnt Ihr hier nachlesen.

Von 0 auf 100

Mode hatte in unserer Familie nie einen großen Stellenwert. Meine Eltern gaben ihr Bestes, aber großes Interesse bestand leider nie. Modische Kleidung kannte ich also nur aus Fashionzeitschriften und von ein paar Mitschülern. Obwohl ich manchmal denke, dass unsere Generation größtenteils keine modeaffinen Eltern zu Hause hatten.
So schnitt ich die schönsten Mode- und Beautystrecken aus Zeitschriften aus und plakatierte meine Tür mit Ihnen. Das erste Mal habe ich mit 15 Jahren beim großen Schweden Geld gelassen. Es war mein Mekka – Bezahlbare Mode, auch wenn ich knapp eine Stunde mit dem Zug fahren muss. Zur selben Zeit entdeckte ich die ersten Modeblogs. Nachdem ich meinen ersten Nebenjob im Alter von 17 Jahren hatte, gingen 80% meines Gehalts für Kleidung drauf. Das Abitur ging vorbei und ich jobbte nebenbei beim großen Schweden. Wie das Schicksal es wollte, startete ich meine berufliche Karriere genau dort wo mein bezahlbarer Traum startete.
Der Trugschluss, dass der Einzelhandel etwas mit Mode zu tun hatte machte mich blind und leerte meinen Geldbeutel ununterbrochen. Bei der Arbeit trug ich die neusten Teile der Kollektion und fühlte mich pudelwohl. Die Pakete trudelten wöchentlich bei mir ein: Fast Fashion überrollte mich, so das ich bereits in meiner zweiten Wohnung einen eigenen Kleiderraum benötigte.

Besitz vor Gebrauch

90% meiner Kleidung habe ich bereits getragen – Manche Teile wöchentlich, andere habe ich nur einmal für eine Partynacht übergeworfen. Gebraucht habe ich ehrlich gesagt den Großteil nie, trotzdem wollte ich ihn besitzen. Der Besitz stand immer im Vordergrund. Irgendwann würde ich das Teil ja anziehen und wenn es erst in Jahren ist. So „müllte“ ich mich zu mit den neusten Trends der Fast Fashion Branche. Die Kleidung stapelte sich und Kleiderstangen brachen unter der Masse der Kleidung zusammen. Bei meinen Freunden löste mein Rausch Begeisterung bis schmunzeln aus und einige teilten sogar meine Leidenschaft.
Stationär habe ich nie geshoppt, ich bin eindeutig eine Onlineshopperin. Ich kenne alle Tipps: Wann die neuste Kollektion online gehen und wann die Shops wieder aufgefüllt werden. Ununterbrochen war mein Bildschirm mit Onlineshops gefüllt und ich war immer unter Strom.

Und Tschüss, wie ich mich verkleinerte

Seitdem ich Mutter bin, habe ich mich verändert. Größtenteils brauche ich Monate bis ich wieder in meine alte Kleidung passe. Entweder war ich schwanger oder habe gerade meine Kilos verloren. Ich bemerkte, dass ich fast nur Jogginghosen und Oversize Shirts anzog und habe zum ersten Mal das Gefühl gehabt, dass mir die ganze Kleidung nichts brachte. Also ging das Shopping für meine Kinder los – Für mich gibt es seit ungefähr einem Jahr ab und zu nur ein paar Teile. Nachdem ich vor ein paar Monaten den Kleiderschrank meines großen Sohnes betrachtete blieb mir die Luft weg. Das kann dieser kleine Mann doch niemals alles tragen?
Was heißt das für mich und die Zukunft? Als allererstes musste ich meine Kleiderberge minimieren und der beste Zeitpunkt dafür war eindeutig die Renovierung. Ich habe mich zum Thema Ausmisten über Marie Kando belesen und fand die Idee nur Kleidung zu behalten, die mir ein gutes Gefühl verleiht, am besten. Ein weiteres Auswahlkriterium war, dass sich mein Kleidungsstil in den letzten Jahren sehr verändert hat. Ich trage kaum noch Blusen und Blazer, trotzdem hatte ich unzählige Varianten in dreifacher bis vierfacher Ausführung und in allen möglichen Farben. Kleidung mit Preisschild kamen direkt weg und bleiben durften nur Stücke, die ich gerne und oft trage und die einen sentimentalen Wert haben.
Einen Teil werde ich verkaufen und der in blaue Säcke gefüllte Teil wurde direkt gespendet.

Nachhaltigkeit und Produktionsbedingungen

Wie soll es weiter gehen? Ich werde nicht komplett auf Fast Fashion verzichten, jedoch nicht mehr in den Mengen kaufen und als Sponsoring annehmen. Ich werde in Zukunft weniger Teile kaufen und einige Kleidungsstücke durch fair produzierte Produkte ersetzen. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Kooperationen. Ich bin Bloggerin und mein Job ist es Euch, meinen Lesern, neue Produkte vorzustellen. Jedoch werde ich keine Kleidung mehr annehmen, die mir nicht zu 100% zusagt. Würde ich nicht privat die Marke kaufen, werde ich in Zukunft nichts mehr von dieser Marke präsentieren. Oftmals werden mir Dinge zugesendet, die schon schön sind, uns aber nicht komplett widerspiegeln. Was bringen mir vergünstigte Kleidungsstücke, wenn wir sie nicht voller Liebe tragen? Wir müssen unsere Kleidung lieben, sonst war die Produktion umsonst.
Früher habe ich mir selten Gedanken über die Produktion und das Herstellungsland gemacht. Ehrlich gesagt habe ich sogar die Kunden belächelt, welche ganz genau wissen wollte wo das Kleidungsstück produziert wurde. Ja, es gibt wirklich Kunden, die beim Schweden kaufen und auf das Produktionsland schauen. Uns wurden wirksame Werbefilme gezeigt um uns zu schulen – Das die wenig mit der Realität zu tun haben war mir früher nicht bewusst.
Aus dem Grund werde ich mehr Kleidung kaufen, die fair produziert wurde. Kleidung, die in Ländern mit fairen Löhnen und vernünftigen Arbeitsbedingungen gefertigt wird.
Genauso werde ich dies mit meiner Kleidung handhaben. Jedoch werde ich mir erst wieder ein schwarzes T-Shirt zulegen, wenn ich es wirklich brauche und nicht um jetzt schon ein faires Teil zu besitzen um des Besitzes Willen.
Wie geht Ihr mit Eurem Bekleidungskonsum um oder steht Ihr gerade vor der selben großen Veränderung? Habt Ihr weitere gute Tipps?

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