Laura / 02.05.2018 / FAMILIENBETT / Familienleben / Family
      

Mein Baby schläft bei mir – Unser Weg zum Familienbett

         

Dieser Gastbeitrag ist von der wundervollen Danni, welche Ihr auf Instagram unter dem Namen landkindermutti finden könnt.

 

„Defintiv nicht in unserem Bett!“ – das war, vor der Geburt unseres ersten Kindes, meine Standardantwort auf die Frage, wo denn unsere Tochter schlafen würde. Seitdem sind einige Jahre vergangen und meine Antwort wäre heute eine ganz andere.

Aber zurück zum Anfang: Als ich zum ersten Mal schwanger war und der Nestbautrieb einsetzte, haben wir – wie man das eben so macht – ein Babybett gekauft. Kein Beistellbett, was an das elterliche Bett montiert werden kann, nein, ein ganz normales Babybett. Aus Platzgründen stellten wir das Bett in unser Schlafzimmer, was aber nur als Übergangslösung gedacht war. Wirklich befasst hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mit dem Schlafverhalten von Neugeborenen, ich handelte aus dem Bauch bzw. Kopf heraus und machte es so, wie ich es für richtig hielt bzw. wie meine Eltern und die Gesellschaft es mir mit auf den Weg gegeben hatten.

Dann kam die Geburt und ich hielt zum ersten Mal unsere Tochter im Arm. In dem Krankenhaus, in dem ich entbunden hatte, wurden die Babys nach der Geburt im Wägelchen neben das Bett der Mutter gefahren. Dort lag sie also, unsere Tochter. Als die Nacht kam und die Kleine anfing, sich zum ersten Mal bemerkbar zu machen, machte plötzlich irgendetwas in mir „Klick“. Ich nahm also meine Tochter zu mir ins Bett, legte sie auf meine Brust und es war Ruhe. Sofort.

Plötzlich im Familienbett

Aber warum erzähle ich das? Was hat die Geburt und die erste Nacht im Krankenhaus mit dem Thema „Familienbett“ zu tun? Für mich alles, denn von da stand für mich fest: Mein Baby schläft bei mir, neben mir, auf mir, wie auch immer, aber auf jeden Fall ganz nah b e i mir!! Zu sagen gewagt habe ich mich das in diesem Moment allerdings noch nicht. Ich kann doch nicht wenige Stunden nach der Geburt schon meine ganzen Prinzipien über Bord werfen! So kamen wir also nach wenigen Tagen aus dem Krankenhaus nach Hause und legten am Abend – wie man das so macht – unsere Tochter in ihr Bettchen. Dort lag sie und war ganz ruhig, doch trotzdem fühlte es sich für mich einfach falsch an. Befremdlich, fast unmenschlich. „Darf sie vielleicht bei uns schlafen?“ fragte ich meinen Mann, er lächelte und nickte. Und so kam es, dass wir plötzlich im Familienbett schliefen. Das es diesen Begriff gibt und damit quasi ein ganzes Lebensmodell einhergeht, war mir allerdings noch nicht bewusst.

In den kommenden Monaten beschäftigte ich mit den verschiedensten Erziehungsmethoden und so lernte ich nach und nach auch immer mehr über das Modell, das wir bereits lebten, für mich aber bisher noch keinen Namen hatte: Bedürfnisorientierung!! Natürlich umfasst dies noch viel, viel mehr als nur das Familienbett, doch dazu vielleicht an anderer Stelle und zu einem anderen Zeitpunkt mehr.

Für mich persönlich macht das Familienbett jedenfalls einen großen Teil des bedürfnisorientierten Zusammenlebens aus. Denn welches Bedürfnis könnte noch größer sein, als das nach Nähe und Geborgenheit? Und wann könnte dieses Bedürfnis dringender sein, als abends und nachts, in der Dunkelheit? Was für Neandertaler & Co. selbstverständlich war, ist zur heutigen Zeit für viele undenkbar: Alle schlafen zusammen in einem Raum bzw. Bett!! Früher hatte dies natürlich ganz offensichtliche Gründe – die Kleinsten mussten vor den Gefahren der Nacht geschützt werden. Heutzutage ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Baby von einem Säbelzahntiger gefressen wird, zum Glück verschwindend gering, aber das weiß ja das Baby nicht. Das Baby fühlt – trotz sicherer vier Wände und abgeschlossener Haustür – die nächtliche Bedrohung. Instinktiv werden Babys abends unruhig, wollen vermehrt auf den Arm genommen werden und fangen an zu weinen, sobald man sie im Dunkeln alleine lässt. Nun bin ich aber kein Wissenschaftler, sondern möchte euch von unserer Erfahrung berichten, also überlasse ich die Fakten anderen.

Eine Win-Win-Situation

Wir schliefen nun also seit dem ersten Tag zu Hause im Familienbett. Das gekaufte Babybett haben wir kurzerhand zum Beistellbett – oder auch dem größten Nachttisch aller Zeiten – umfunktioniert und alle hatten ausreichend Platz für erholsamen Schlaf. Vor allem das nächtliche Stillen war durch unsere Schlafsituation völlig unkompliziert. Andere Mütter, deren Kinder im eigenen Bett oder sogar im eigenen Zimmer schliefen, erzählten von unzähligem nächtlichen Aufstehen und guckten dabei müde auf ihre Babys. In diesen Momenten fühlte ich mich in dem, was wir machten, bestätigt. Win-Win sozusagen – wir hatten für unsere Tochter und uns die beste Lösung gefunden!!

Natürlich gab es auch bei uns immer mal Phasen, wo unsere Kleine trotz der Nähe zu uns nicht schlafen wollte oder konnte. Aber mir war es lieber, mit dem wachen Baby im Bett zu liegen und im Halbschlaf Rasseln & Co. anzureichen, als nachts im Kinderzimmer vor dem Gitterbett des weinenden Babys zu hocken. Oft habe ich mich gefragt und frage es mich bis heute, wieso andere Eltern es sich so schwer machen? Vor allem, wenn am Ende der durchzechten Nacht – wenn der Fußboden zu kalt und die eigene Müdigkeit zu groß wurde – das Baby doch mitgenommen wird ins elterliche Bett.. Wo ist da der Unterschied? Wieso darf das Baby willkürlich bei den Eltern übernachten, aber nicht – in Geborgen- und Sicherheit – bei ihnen einschlafen? Fördert das sichere Einschlafen nicht vielleicht sogar ein besseres Durchschlafen? „Aber dann wird man das Kind ja nie mehr los!“, „Dann schlafen die noch mit 15 bei uns!“ höre ich jetzt schon die Kritiker des Familienbetts sagen.. Und ehrlich gesagt, hatten wir zwischendurch, aber wir wurden eines besseren belehrt!

Geschwisterchen unterwegs

Das Babybett wurde natürlich mit der Zeit zu klein und unsere Tochter bekam ein größeres Bett, das aber wieder neben unserem stand und so ein noch größeres Familienbett ergab. Als unsere Tochter knapp drei Jahre alt war, machte sich ein Geschwisterchen auf den Weg. Wäre es nun nicht an der Zeit, sie auszuquartieren? Würde das Baby sie nicht stören? Würde sie nicht das Baby stören oder gar im Schlaf verletzen? Wir haben uns dazu entschieden, zunächst gar nichts zu ändern!! Es kam für mich und meinen Mann nicht in Frage, unsere Tochter aufgrund des Babys in ihr eigenes Zimmer zu verfrachten. Das fühlte sich einfach falsch an und hatte für mich eine mitschwingende, negative Botschaft: Wir ersetzen dich!! Und das wollten wir natürlich auf keinen Fall!! Es kam also der Tag, an dem unser Sohn geboren wurde und zu uns ins Familienbett gezogen ist. Unsere Tochter schlief in ihrem Bett an der Wand, daneben lag ich, dann der Kleine und am anderen Rand lag mein Mann. Der Kleine war zum Glück zu Beginn ein ganz ordentlicher Schläfer und sollte er doch mal quengelig werden, bin ich schnell mit ihm ins Wohnzimmer umgezogen, so dass unsere Tochter nicht in ihrem Schlaf gestört wurde. Für uns war das in den ersten Monaten eine gute Situation, wir konnten uns in Ruhe kennenlernen und unsere Tochter hatte nicht das Gefühl, aus „ihrem“ Schlafzimmer verdrängt zu werden. Und dann – nach einigen Wochen – kam der Tag, den viele Gegner des Familienbetts nicht erwarten würden: Unsere Tochter wollte von sich aus in ihr eigenes Zimmer ziehen!

Wir waren an diesem besagten Tag im Möbelhaus um ein neues Babybett für den Kleinen zu kaufen (das noch an die andere Seite unseres großen Bettes montiert werden sollte) und in der Kinderabteilung kam von unserer Tochter ganz plötzlich die Frage „Kann ich in meinem eigenen Zimmer schlafen?“. Mein Mann und ich haben das natürlich bejaht und als wir wieder zu Hause waren, haben wir das Bett vom Schlaf- ins Kinderzimmer gebracht und gemütlich hergerichtet. Dabei hatte ich sehr gemischte Gedanken: Haben wir unserer Tochter evtl. doch irgendwie das Gefühl gegeben, im Schlafzimmer nicht mehr erwünscht zu sein?? Würde sie wirklich in ihrem Zimmer schlafen und würde das unsere nächtliche Situation nicht vielleicht sogar komplizierter machen?? Ich hatte die Sorge, dass unsere Tochter nicht w i r k l i c h in ihrem Zimmer schlafen würde und wir so auf kleinerer Fläche im Schlafzimmer liegen müssten.. oder wir das Kinderbett wieder zurückstellen müssten.. oder oder oder.. Aber, was soll ich sagen – natürlich hat mich meine Tochter eines besseren belehrt und sie schläft seit der ersten Nacht ohne Probleme (von Krankheitstagen etc. mal abgesehen) in ihrem eigenen Zimmer!! Nicht ein Mal kam von ihr die Frage, ob ihr Bett wieder im Schlafzimmer stehen könnte.. Falls sie nachts wach wird, kann sie natürlich jederzeit zu uns kommen – dann rücken wir eben alle etwas näher zusammen. Der Kleine ist mittlerweile neun Monate alt und meine Sorge, sie könnte ihn nachts verletzen, ist weitestgehend verflogen – so dass auch die beiden nachts nebeneinander schlafen können!

Auf sein Bauchgefühl hören

Ihr seht also, das Familienbett ist keine Dauerlösung, da irgendwann der Tag kommt, an dem die Kleinen ihr eigenes Schlafgemach beziehen möchten – bei den einen früher, bei anderen später.. Die Erfahrung mit meiner Tochter hat mir jedenfalls gezeigt, dass es gut ist, auf sein Bauchgefühl zu hören und Dinge nicht nur deswegen auf eine bestimmte Art und Weise zu machen, weil „man das eben so macht“!! Auch unser Sohn wird daher eines Tages selbst entscheiden können, wann er aus dem Familienbett ausziehen möchte.

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Ein Gedanke zu „Mein Baby schläft bei mir – Unser Weg zum Familienbett“

  1. Lisa sagt:

    Ein sehr schöner Artikel, der mal wieder verdeutlicht, dass wir gerade heutzutage in einer Zeit, in der das Leben immer komplexer, technischer und schnelllebiger wird, mehr auf unsere Intuition hören und auf die Bedürfnisse unserer Kinder schauen sollten und dementsprechend handeln. Auch wenn die Gesellschaft andere „Normen“ hat, sollten wir unsere eigene Meinung und Ansichten haben und vertreten dürfen ohne direkt in Schubladen gesteckt werden.
    Ich bin so froh, dass ich bereits vor der Geburt so viel Zeit habe, mich mit den Themen Familienbett, Bedürfnisorientierung etc. zu beschäftigen, sodass sich Meine Meinung dazu um 180 Grad gedreht hat. Ich kann es kaum erwarten, dies alles in der Praxis und am eigenen Leib zu erfahren; das Richtige für uns zu finden!

          

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