Meine perfekte und selbstbestimmte Geburt im Krankenhaus

         

Für jede Frau ist eine Geburt etwas besonders und jede werdende Mutter hat andere, für sich persönlich, wichtige Abläufe, die sie sich wünscht. Aus dem Grund ist meine zweite Geburt für niemanden ein Leitfaden oder soll als allgemein perfekt gehandelt werden. Sie war für mich genauso wie ich sie mir vorgestellt hatte. Ich hatte in einer ersten Schwangerschaft keine Vorstellung von einer Geburt und habe erst nach dieser Geburt sagen können, wie ich mir meine perfekte und selbstbestimmte Geburt vorstellen würde. Bereits in einem anderen Artikel habe ich darüber geschrieben, wie ich meine nächste Geburt erleben möchte.

Einleitung

Eine Sache ist bei einer zweiten Geburt auf jedenfall komplett anders: Man weiß auf was man sich einlässt, zumindest wenn alles normal läift. Bevor ich zum ersten Mal schwanger wurde, hatte ich extreme Angst vor einer Geburt und als ich dann schwanger war, waren diese Sorgen komplett verschwunden. Ich wusste ja nicht, was auf meinen Körper zukommt. Dieses Mal war mir bewusst, dass eine Geburt kein Spaziergang ist, aus dem Grund war der Respekt auch um einiges größer als beim ersten Mal. Als es für zwei Wochen dann hieß, dass klein M. höchstwahrscheinlich in Beckenentlage verbleiben würde, war ich wirklich mehr als durcheinander. Für mich kommt ein Kaiserschnitt nämlich nur in Frage, wenn es wirklich auf keinem anderen Weg mehr gehen sollte. Da sich dieses Problem schnell in Luft auflöste, könnte ich die letzten Wochen der Schwangerschaft umso mehr genießen.

Da meine erste Geburt nicht dem entsprach, was man sich unter einer  schönen und selbstbestimmten Geburt vorstellt, hatte ich für meine zweite Geburt einen, für mich, perfekten Geburtsplan erstellt. Eins wollte ich bei der zweiten Geburt auf keinen Fall: Mich ausgeliefert und ahnungslos fühlen. Schon bei der Krankenhausanmeldung habe ich der Hebamme gegenüber meine Bedenken und Wünsche geäußert. Mein Gefühl war, trotz anfänglicher Skepsis, aufgrund meiner ersten, nicht so schönen Geburt im selben Krankenhaus, sehr gut.

 

Hauptteil

Schon zwei Wochen vor der Geburt von M. hatte ich, aufgrund des gewünschten Strappings, einen Abend alle fünf Minuten Wehen. Jedoch waren die Wehenschmerzen nicht von besonderer Intensität und hatten sich dann nach einem entspannenden Bad komplett aufgelöst. Aus dem Grund wollte ich nicht bei dem ersten Ziehen sofort ins Krankenhaus fahren.

Am 26. Januar um 2 Uhr nachts, 3 Tage nach dem errechneten Geburtstermin, bin ich aufgrund von Wehenschmerzen wach geworden. Irgendwie konnte ich die Wehen, trotz der Überschreitung des Termins, nicht ganz ernst nehmen. Für mich ging es dann wieder in die Badewanne mit regelmäßigen Wehen alle fünf bis sieben Minuten. Irgendwie habe ich die Situation noch nicht so ganz wahrgenommen und bin davon ausgegangen, dass es sich nur um Fehlarm handelt. Hin und her gerissen hat mein Mann A. kurz nach 4 Uhr morgens zu seiner Oma gebracht. Ein komisches Gefühl, denn der Kuss, den er an dem Morgen von mir bekam, war der letzte Kuss als Einzelkind. Danach ging es für meinen Mann und mich ins heimatliche Krankenhaus.

Hallo Krankenhaus

4:45 Uhr kamen wir am Krankenhaus an und unser Weg führte uns direkt in 4. Etage, auf die Station für Frauenheilkunde. Die Tür des verschlossenen Kreißsaals wurde uns von einer noch halb schlafenden Hebamme geöffnet – ihr hatte der Empfang leider nicht Bescheid gesagt, dass eine hochschwangere Frau sich auf den Weg zu ihr macht. Für mich ging es sofort an das CTG, die Wehen waren nun alle 5 Minuten regelmäßig zu sehen und zu spüren. CTG schreibe ich in 90% der Fälle im Sitzen, da ich die Schmerzen so am besten unter Kontrolle habe. Nach einer kurzen Untersuchung wurde uns gesagt, dass der Muttermund bereits drei bis vier cm geöffnet ist und wir auf der Etage ein wenig hin und her laufen sollen. Klein M. hatte sich nämlich noch nicht mit seinem Kopf ins Becken gedreht. Die Hebamme teilte uns mit, dass gleich Schichtwechsel sei und sie davon ausgeht, dass unser Baby bis 9 Uhr auf der Welt sein wird. Natürlich wurde ich gefragt, ob ich Schmerzmittel oder einen Einlauf haben möchte – beides verneinte ich. Also machten wir uns auf den Weg und liefen und liefen.

Die heiße Phase

6:30 Uhr mussten wir zur Ärtzin: Beim Thema Braunüle habe ich mich auf das Krankenhaus verlassen und mir eine legen lassen. Danach ging es noch zum Ultraschall: Unser Baby wurde, wie schon 3 Wochen vor der Geburt, auf knapp 3500g geschätzt. Da man im Krankenhaus nie weiß wer die Hebamme bei der Geburt sein wird, war ich mehr als glücklich, dass ich genau die Hebamme erwischt habe, die bei unserer Anmeldung dabei war. Sie wusste also direkt was ich mir für meine Geburt vorgestellt hatte. Danach ging es wieder ans CTG – klar waren die Schmerzen groß aber immer noch auszuhalten. Nun wollte natürlich unsere Hebamme wissen, wie weit der Muttermund bereits geöffnet ist. Ich war erstaunt: 8cm! Wir entschieden uns für den Weg in den Kreißsaal. Hier entschied ich mich, dass ich ein OP Kleid tragen möchte. Ich habe mich damit einfach wohler gefühlt.

Hallo Kreißsaal

„Möchtest Du irgendwelche Schmerzmittel?“ „Naja, für eine PDA wird es ja nun eh zu spät sein?“, witzelte ich. Sie zeigte mir die neuste Errungenschaft: Lachgas. Auch wenn ich komplett Schmerzmittelfrei durch diese Geburt gehen wollte, hat mich das Lachgas gereizt und ich wollte es einfach mal testen. Beim Testen blieb es auch. Nach einer Wehe mit Lachgas war mir mehr als schwindlig und mir war klar: Eine Geburt mit Lachgas ist für mich auf jedenfall nicht das Richtige. Was ich dieses Mal komplett anders erlebt habe? Ich habe nie gelegen. Ganz anders als zu A. Geburt. Hier lag ich von Anfang an bis zur Geburt nur im Bett. Bei M. Geburt habe ich nur gesessen oder bin gelaufen. Selbst im Kreißsaal saß ich die ganze Zeit auf einem Hocker und habe meine Wehen veratmet.

Auf den Körper hören

Auf einmal habe ich gemerkt, dass der Druck stärker wurde und ich auf das Bett möchte. Meine Hebamme hat noch einmal kurz nach meinem Muttermund geschaut, welcher bereits komplett geöffnet war. Zu dem Zeitpunkt entschied ich, dass die Fruchtblase gesprengt werden soll. Meine Hebamme meinte, dass dies nicht nötig sei aber ich selbst hatte das Bedürfnis danach. Hier ein kleiner Schock: Das Fruchtwasser war grün! Wann und wie es dazu kam wissen wir bis heute nicht. Das CTG war nicht einmal auffällig. Die erste Wehe ohne Fruchtblase war noch „normal“, die zweite hingegen eine richtige Wucht. Meine erste Presswehe, in der ich bereits die Hälfte der Arbeit getan hatte. Meine Hebamme war mehr als überrascht, dass es auf einmal so schnell ging. Es war noch keine Ärztin in der Nähe und so sollte ich noch kurz warten. Warten? Unmöglich. Genau in dem Moment in dem die Ärztin den Raum betrat kam M. um 8:22 Uhr auf die Welt. Gesund und wunderschön. Keine Minute später wurde der kleine Mann gestillt und gekuschelt. Mein Mann hatte wieder die Ehre die Nabenschnur zu durchtrennen.

Schluss

Da alles etwas schnell ging, bin ich 2. Grad gerissen, was die Ärztin sofort vernähte. Bei unserem zweiten Kind haben wir uns dafür entschieden keine Augentropfen oder Vitamin K zu geben, diese Wünsche wurden auch berücksichtigt. Da wir uns für eine ambulante Geburt entschieden haben und insgesamt vier Stunden nach der Geburt im Krankenhaus bleiben sollen, haben wir die ersten zwei Stunden dieses Wartens im Kreißsaal verbracht. Hier haben wir noch gefrühstückt und wurden für die letzten zwei Stunden in ein Zweibett-Zimmer gefahren. Nach einer Untersuchung meiner Gebärmutter und dem Entfernen meiner Braunüle haben wir insgesamt von Ankunft bis Abmeldung 9 Stunden im Krankenhaus verbracht.

 

Warum selbstbestimmt?

Es gab einige Punkte, die mir bei meiner zweiten Geburt mehr als wichtig waren und über die ich bereits geschrieben hatte.

  • Ambulant entbinden auch ohne Nachsorgehebamme: Hat perfekt geklappt
  • Verzicht auf das Legen einer Braunüle: Diesen Punkt habe ich mir offen gehalten und mich selbst am Ende selbst für den Venenzugang entschieden
  • Verzicht auf einen Einlauf: Hat perfekt geklappt
  • Mehr Anwesenheit durch eine Hebamme: Hat perfekt geklappt
  • Nabelschnur auspulsieren lassen: Haben wir im Eifer des Gefechts wirklich vergessen. Was ich jedoch als toll empfand: Wir wurden gefragt, ob wir die Plazenta mitnehmen wollen. Dies ist NICHT üblich in unserem Krankenhaus. Wir haben aber darauf verzichtet.
  • Bei allen Vorkehrungen an meinem Kind muss mein Mann oder ich dabei sein: Hat perfekt geklappt

 

Ein kleiner Vergleich

Ich habe gemerkt, dass ich durch mein selbstbestimmtes auftreten, schon während der Anmeldung, komplett anderes wahrgenommen wurde. Bei meiner ersten Geburt habe ich mich ausgeliefert gefühlt. Ich wusste nicht wo unten oder oben ist. Mir wurde jede Entscheidung abgenommen und bestimmte Dinge als normal verkauft, die eindeutig nicht der Regel entsprechen. Bei der Geburt von A. wurde ich zu einem Einlauf gedrängt, dieses Mal habe ich diese Prozedur abgelehnt.

Schmerzmittel wurden mir als Routine verkauft und ich hatte keine Auswahlmöglichkeiten, da ich nicht einmal wusste was es alles gibt. Aus dem Grund wurde mir viel zu spät ein Mittel gespritzt, welches sich nach der Geburt wie eine Droge angefühlt hat. Ich kann mich nur noch verschwommen an die ersten Sekunden mit meinem A. direkt nach der Geburt erinnern. Nun hatte ich von Anfang an allem abgeschworen und mich trotzdem spontan für einen Lachgas-Probe entschieden. Ich wurde richtig aufgeklärt, auch wenn das Lachgas nicht den von mir gewünschten Effekt hatte.

2015 habe ich nur im Bett gelegen, mich kaum bewegt. Ich konnte meine Schmerzen nicht einschätzen und kontrollieren. 2018 habe ich nur für die Presswehen aufs Bett gelegt. Ich bin nur gelaufen oder habe gesessen. Insgesamt waren die Schmerzen nicht so schlimm wie bei meiner ersten Geburt. Weshalb? Ich konnte sie besser kontrollieren und greifen. Das Ausgeliefert sein war dieses Mal nicht zu spüren, denn ich hatte die Situation in meiner eigenen Hand.

Zur Kopfschwadensonde in A. Kopf und dem laufenden CTG während der Geburt wurden wir nie mit eingebunden. Bei klein M. wurde ich zum CTG aufgeklärt und wäre nicht dazu verpflichtet gewesen es zu nutzen. Auch wenn für viele ein herbeigeführter Blasensprung ein NO GO ist, finde ich ihn für mich super. Jedoch wurde ich beim ersten Kind vor vollendete Tatsachen gestellt. Beim zweiten Kind habe ich den Wunsch selbst geäußert und er wurde mir erfüllt. Meine Hebamme ist komplett auf mich und meine Wünsche eingegangen.

 

Das bedeutet Selbstbestimmtheit für mich

Selbstbestimmt heißt für mich, dass man selbst entscheiden kann und einem dazu auch diese Möglichkeit gegeben wird. Für mich war es wundervoll, die Situation greifen und überblicken zu können. Mein Tipp: Natürlich haben wir alle bei unserer ersten Geburt keine Ahnung was auf uns zukommt. Jedoch bereue ich es, dass ich mich einfach viel zu wenig mit dem Thema Geburt auseinander gesetzt habe. Ich wusste nicht was ich brauche und was mir zusteht. Jetzt können zwei Fälle eintreten: Man kommt an eine Hebamme, die einem hilft und einen an die Hand nimmt, dabei aber nicht übergriffig wird. Oder man kommt an eine Hebamme, die die Geburt nach ihren Wünschen lenkt und schnell ein Kind auf die Welt bringen möchte. Als Frau, die beide Varianten einer Geburt erlebt hat, wünsche ich keiner Mutter eine herrische Hebamme, die die Geburt zu ihren Gunsten auslegt und nicht auf einen eingehen möchte.

Diese Geburt war für mich perfekt und selbstbestimmt. Ich bin spät losgefahren, ich hatte die Schmerzen unter Kontrolle, ich habe jede Entscheidung selbst getroffen und ich habe meinen kleinen Sohn nach nur zwei Presswehen auf die Welt gebracht. Was mir die Schmerzen genommen hat? Denkt bei jeder Wehe an einen wundervollen Moment. Bei mir war es die Geburt meines großen Sohnes. Der Moment in dem man dieses kleine wunderschöne Wesen im Arm hält und alle darauf folgenden Ereignisse aus dessen Leben lassen einen wissen, dass man mit jeder Wehe einem neuen und tollen Menschen näher kommt. Bei meiner ersten Geburt konnte ich die Schmerzen nicht aushalten und ich hatte Panik, da ich nicht wusste, wie ich die Geburt durchstehen kann. An etwas zu denken, dass man liebt, lässt die Schmerzen nur noch ganz klein wirken.

 

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