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Tabuthema bedürfnisorientiertes Leben | Weshalb wir uns nicht verstecken dürfen

         

 

Täglich wird man im Social Media mit den größten Anfeindungen konfrontiert. Gegenüber Müttern, die stillen – Mütter, die tragen – Mütter, die im Familienbett schlafen und allgemein ALLES was mit dem Thema Bedürfnisorientiert in Zusammenhang steht. Auf Facebook unter Blogbeiträgen und Elternmagazinen, in Facebookgruppen, in Foren oder auf Instagram. Überall wollen „Gegner der Liebe“ (anders kann man es nicht mehr nennen) einem den Instinkt zerstören.

Dieser Text richtet sich an Dich: Mutter, die stillt oder Mutter, die trägt oder Mutter, die im Familienbett schläft oder einfach an Dich als Mutter, die aus unerklärlichen Gründen für Ihre Liebe in die Ecke gedrängt wird – und die, die gerne etwas ändern wollen oder schwanger sind. Die Hassmenschen dürfen nun bitte gehen.

Was man sich aussetzen muss

Öffentlichkeit

Bis jetzt hatte ich, zum Glück, mit verbalen Angriffen nichts zu tun gehabt. Aber diese Blicke, meist von Frauen, die es gar nicht gerne sehen, dass man ein Baby in der Öffentlichkeit stillt kenne ich zu gut. Ich habe mich wirklich klein gefühlt, wenn sowas aufgetreten ist. Als ob ich etwas falsch machen würde und aus dem Grund werde ich mit bösen Blicke bestraft.

Für mich war das einfach schrecklich und so zog ich mich in Umkleidekabinen oder Toiletten zurück, um vor diesen Blicken geschützt zu sein.

Über Themen wie bedürfnisorientiertes Begleiten hat man sich kaum getraut zu reden. Es könnte sich ja jemand auf den Schlips getreten fühlen und denken, dass man ihn angreifen will.

 

Social Media

Anders ist es jedoch im Social Media. Hier werden die Stimmen besonders laut. Man darf sich gar nicht für das Stillen, für das Tragen, für das Familienbett, für bedürfnisorientiertes Begleiten oder spontane Geburt aussprechen. Man ist sofort in irgendeiner Müttermafia, eine Helikoptermutter oder sieht sich angeblich als Übermutter. Das ich persönlich diese Frauen gar nicht ansprechen möchte, sondern Schwangere und unentschlossene, wird gar nicht registriert. Der blinde Hass und das man sich angegriffen fühlt, stehen im Vordergrund. Man muss sich mit aller Gewalt rechtfertigen, obwohl man nicht einmal angesprochen wurde. Im Internet geht es einfacher als in der Realität. Hier ist es das geschriebene, offline ist es der böse Blick.

In Foren wird sich über Mütter aufgeregt, die auf Instagram in den Stories stillen. Man würde das Kind nur zur Tarnung an die Brust legen, damit man Aufmerksamkeit bekommt, seine Kinder instrumentalisiert und verkaufen und ihnen keine Aufmerksamkeit schenken, da man eine, wenige Sekunden lange, Story hochlädt oder Stillbilder veröffentlicht.

Mütter, wie Sara Kulka, werden als Stillmuschis und aufmerksamkeitsgeil auf Facebook beschimpft. Man hätte nur seine Brüste und sonst nichts.

 

Weshalb wir nicht aufhören dürfen

Ich wäre glücklich gewesen, wenn ich schon lange vor meiner Schwangerschaft mit diesen Themen in Berührung gekommen wäre. Stillende Frauen habe ich in der Öffentlichkeit vor Arics Geburt nur einmal gesehen – und ich war erschrocken. Die Dame zog sich für das Stillen obenrum komplett aus. Für mich eher Abschreckung als Vorbild. Das es anders geht wusste ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht erst.

In den Medien wurde nie groß über das Thema geredet und groß Gedanken habe ich mir nicht gemacht. In der Öffentlichkeit habe ich selbst erst 4 Wochen nach Arics Geburt in ein einem Restaurant gestillt aber oftmals bin ich, wenn zu viele Menschen anwesend waren, auf die Toilette gegangen. Wenn ich darüber nachdenke, kommen mir die Tränen. Aber woher hätte ich das Selbstbewusstsein nehmen sollen? Ich kannte nicht eine Frau, ob on- oder offline, die öffentlich gestillt hat und sich dazu auch noch bekennt. So verhielt es sich mit allem. Als ob es Tabuthemen waren: zu Stillen, zu Tragen, in einem Familienbett zu schlafen oder sich komplett auf die Bedürfnisse des Kindes einzulassen.

Hätte es in meinem Fall anders laufen können? JA, auf jedenfall!

Ich wäre gerne auf Instagram Accounts, Facebookseiten und Blogs gestoßen, die diese Themen immer wieder aufgreifen. Vor drei Jahren war dies aber noch nicht wirklich präsent und nicht wirklich greifbar. Es gab natürlich die großen Erziehungsblogs und Magazine aber das junge, intelligente Frauen sich das Thema auf die Fahne schreiben, habe ich eigentlich gar nicht erlebt.

Jedesmal wenn ich in der Öffentlichkeit Frauen sehe, die über das alles reden oder sich trauen zu stillen, freue ich mich. Ich habe so ein richtig gutes Gefühl in mir und erinnere mich richtig wehmütig an meine Stillzeit zurück. Überall gibt es diese Frauen, die anderen Frauen Mut machen und die ein oder andere zum Nachdenken anregen.

Wir können Schwangeren und vielleicht sogar ein paar unglücklich Gescheiterten Mut machen und ihnen etwas nahe bringen, dass sie aus ihrem Umfeld nicht kennen. Nicht alles ist ein Muss, aber solange sich nur eine Frau etwas davon rauspickt, für sich umwandelt und umsetzt, hat sich die Mühe gelohnt. Jede weitere Frau, die öffentlich zu diesen kontroversen Themen steht, ermutigt eine Neue darüber zu sprechen und es öffentlich zu leben. Niemand soll bekehrt werden, aber wir können zum Nachdenken anregen.

 

Vergesst nie

Hört NIEMALS auf öffentlich diese Liebe auszuleben. Natürlich können wir keine der Frauen umstimmen, die sich bereits dagegen entschieden hat und felsenfest der Meinung ist, dass Richtige zu tun. Aber vielleicht können wir Schwangere auf die Reise mitnehmen und ihre Unsicherheiten und Zweifel mindern oder Müttern Mut machen, die es beim ersten Mal aufgrund schlechter Ratschläge nicht schafften zu stillen oder die sich durch die Gesellschaft zu etwas leiten lassen haben, was gar nicht ihrer Natur entspricht. Sobald wir aufhören uns zu zeigen, darüber zu reden und probieren anderen zu Helfen, verschwindet das Thema komplett von der Bildfläche. Jede Frau, die öffentlich dazu steht, ermutigt andere dies auch zu tun. Blendet alle Kritiker einfach aus.

Wir möchten damit niemanden runter drücken, sondern anderen Frauen Mut machen. #loveandshow

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Ein Gedanke zu „Tabuthema bedürfnisorientiertes Leben | Weshalb wir uns nicht verstecken dürfen“

  1. Jana sagt:

    Danke für diesen schönen Beitrag! Ich stille öffentlich, lasse meinen kleinen Junior im Familienbett schlafen, helfe ihm durch Windelfrei seinen Bedürfnissen auch in diesem Bereich nachzugehen und trage ihn auch mit einem Jahr noch, wenn er keine Lust auf den Buggy hat. Schreien lassen und ähnlicher Quatsch kamen für mich nie in Frage. Und ja, für meine „alternative“ Haltung muss ich mich immer wieder rechtfertigen. Aber mittlerweile stehe ich da drüber. Allen Müttern, die das kennen, wünsche ich viel Kraft.

          

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