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Moderne-Öko Mama | Zwischen Stillmafia und Shopping Queen

         

Wo gehöre ich hin? Oftmals habe ich mich das gefragt. Was für eine Art Mutter soll ich sein und was wird von der Gesellschaft von mir verlangt. Egal wohin man denkt zu gehören, es wird immer noch Menschen geben, die bestimmte Bereiche des bindungsorientierten Lebens „besser“ als man selbst umsetzt und eins passt niemals zusammen: entweder ist man eine karrieregeile, moderne und selbstbewusste Frau oder man ist Hausmutti, die drei Jahre stillt, nur Wollkleidung trägt und dessen Kind in der Trage lebt. Kann ich nicht mir von beiden Seiten das raus picken was mir am besten gefällt?

 

Wie ich sein wollte

Für mich sollte sich durch die Geburt meines Sohnes nichts im Leben verändern. Keine Freundschaften, mein Stil nicht, am besten nach sechs Monaten aufhören zu stillen, das Baby schläft sofort in seinem eigenen Bett und mit einem Jahr kommt es in sein eigenes Zimmer. Ich wollte am liebsten wieder sofort so schlank sein wie vor der Schwangerschaft und eins war mir außerdem wichtig: Mein Kind sollte einen Haufen an Spielzeug und coolen Klamotten tragen. Es sollte von Anfang an Regeln kennen und dieser kleine Mensch würde mir auf keinen Fall auf der Nase rumtanzen.

Normalzeitstillen (bis zum Alter von zwei Jahren), Familienbett, Tragen, bedürfnisorientiertes Leben und Nachhaltigkeit – was soll das schon bitte bedeuten? Ich bin keine Okö-Hippie-Mutti und werde es nie werden. Das passt nicht zu uns und unserem Leben.

 

Wie ich geworden bin

Aus sechs Monaten Stillbeziehung wurden neun, aus diesen wieder zwölf und dann waren es auch schon 18 Monate. Selbstständig Abgestillt hat mein Sohn sich mit 23 Monaten. Jedesmal hatte ich mir ein Ende gesetzt bis ich nach unserem Urlaub in London (da war Aric knapp 9 Monate alt) gemerkt habe, dass ich nicht zu entscheiden habe wann und wie es endet, sondern ganz allein er.

In seinem eigenen Bett hat er, nach unserer Ankunft zu Hause, nicht länger als fünf Minuten gelegen – danach niemals mehr. Ab da war unser Familienbett geboren. Als Schwangere hatte ich mir damals eine komplett überteuerte Systemtrage gekauft – ab und zu tragen ist ja sicherlich cool. Nutzen konnten wir sie nie, da Aric sie nicht leiden konnte. Mit der Zeit habe ich mich mit jeder Art von Tragen beschäftigt und würde mich heute für etwas ganz anderes entscheiden.

Nach dem ersten Fehlkäufen Richtung bunten Spielzeugplunders und cooler aber unbequemer Kleidung bin ich auf schönes Holz und Wolle umgestiegen. Und feste Regeln und strenge Erziehung? Nunja, das wird es hier anscheinend niemals mehr geben.

 

Trotzdem ich selbst

Alles was sich Rund um meine Rolle als Mutter dreht hat sich nicht dahin entwickelt, wie ich es mir gedacht habe – so wie ich mir eine moderne Frau vorgestellt habe. Trotzdem bin ich dieselbe Person geblieben: ich interessiere mich weiterhin für Mode und kleide mich immer noch wie früher, ich gehe in meinem Blog beruflich auf, ich habe die selben Freunde wie vorher und lebe mein Leben (lassen wir ständige Partys und jedes Wochenende unterwegs sein mal außen vor) genauso wie vor meinem Kind.

 

Der Zwiespalt

Passt das zusammen? Modern und lässig, eine Frau, die sich für alle Dinge des Lebens und des Lifestyles interessiert und trotzdem bedürfnisorientiert lebt? Vor und während meiner Schwangerschaft hätte ich dies klar verneint. Nun lebe ich aber genau das – ich fühle mich wohl in meiner Haut und probiere immer noch viele Dinge aus und das trotz meines Kindes, welches ich fast zwei Jahre gestillt habe und welches jede Nacht in meinem Arm einschläft.

Trotzdem wird man in beiden Kreisen nicht akzeptiert. Einige Frauen, die sich als modern und lässig sehen, empfinden langes Stillen, Familien und die häusliche Kinderbetreuung als rückständig. Es passt einfach nicht das Frauenbild dieser Damen. Aber so ist es auch von der anderen Seite: Ziehst Du Dir auch mal auffällige Kleidung von H&M an und gehst alle zwei Monate mal ins Kino, gehörst Du auch nicht zu den Öko-Hippie-Müttern. Da wird sich gefragt, woher man die Zeit nimmt sich zu schminken und online zu shoppen – anscheinend muss ich mein Kind vernachlässigen.

Besonders auffällig ist es in Facebookgruppen – in denen ich mich auch gerne austausche. Egal in welcher Gruppe man unterwegs ist, man fühlt sich nicht zu 100% aufgehoben. In der einen Gruppe ist man eine schreckliche Hexe, die zur Stillmafia gehört, nur weil man Tipps geben möchte. In der anderen ist man ein Unmensch, weil man keine fremden Kinder stillen würde. In der einen Gruppe bin ich nervig, weil ich Fly Tais bewerbe und gegen das vorwärtsgerichtete Tragen plädiere, in der anderen bin ich nicht bedürfnisorientiert genug, weil ich auch gerne einen Kinderwagen benutze.

Wer bin ich denn dann nun? Für die einen zu öko, für die anderen nicht öko genug?

 

Das eine schließt das andere nicht aus

Ich ziehe mich gerne schön an und gehe ungern ungeschminkt aus dem Haus. Ich könnte mir stundenlang tolle Filme angucken und essen gehen. Achja ich bin auch gerne mal alleine – auch wenn es bei uns wirklich selten vorkommt. Trotzdem liebe ich es in meinem Maß bedürfnisorientiert zu leben. Es passt zu uns und wir haben uns als Familie lange damit beschäftigt. Ich bin doch nicht schlechter, nur weil ich meinem Kind lieber Wollwalk anziehe, anstatt der neusten Zara Jacke. Natürlich empfinde ich Stillen, Familienbett und Tragen als perfekt und würde gerne sehen, dass viel mehr Mamas den selben Weg gehen. Genau aus dem Grund schreibe ich immer wieder darüber um das Bewusstsein zu stärken. Aber wie soll man sich in diesen beiden Blasen wohlfühlen, wenn man es keinem Recht macht?

Ich habe nicht kürzer gestillt und weniger Liebe gegeben, nur weil ich keine fremden Kinder und Tierbabys stillen würde. Ich bin meinem Kind genauso nah, auch wenn ich es nicht 24/7 trage und gerne das Kind auch mal in den Kinderwagen lege. Kann man sich nicht einfach von jeder Art Mutter das nehmen, was gut zu einem passt, auch wenn man es nur zu 90% umsetzt?

Eine Frau kann alles sein: Vielleicht bin ich ja eine moderne-öko Mama – und Du?

 

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8 Gedanken zu „Moderne-Öko Mama | Zwischen Stillmafia und Shopping Queen“

  1. Lisa sagt:

    Der Text ist wirklich spitze und einfach soo passend! Ich bin auch ständig am überlegen und vergleichen. Und im Endeffekt bin ich mit keiner Einstellung zu 100% zufrieden… Also wird nur das verwendet was gefällt xD gerade mit dem ganzen „unerzogen“ leben… Viele Sachen finde ich wirklich super und auch richtig aber manche … Naaajaaa… . Aber es muss halt wirklich jeder seinen eigenen Weg finden! Vielen Dank für deine Worte 💕

    1. Laura sagt:

      Hey Lisa,

      mir geht es genauso – und wenn man aber nicht einen Weg zu 100% geht, gehört man irgendwie nirgends dazu. Was ich ziemlich schade finde.

      Liebe Grüße <3

  2. NS sagt:

    Man sollte einfach den richtigen Weg für sich und seine Familie finden. Wenn man da komplett hinter steht, dann wird man auch Leute finden, die das gut finden.

    Dieses, sich in eine Gruppe einpassen wollen, ist doch eigentlich ein Widerspruch in sich. Man will besonders individuell sein, lässt sich aber von „alternativeren“ Leitideen einschränken. Es gibt doch eh nicht den besten Weg, nicht für die Kinder, nicht für die Familie und nicht für Umwelt. Von daher ist es doch total legitim, sich das herauszunehmen was für die eigene Familie passt. Leute, die immer versuchen zu einer Gruppe zu gehören sind eigentlich unsicher. Da kann man nur sagen: Vertrau dir und finde und verfolge deinen Weg.
    Das ist zwar anfangs schwieriger aber viel nachhaltiger.

    1. Laura sagt:

      Hallo liebe NS,

      da hast Du vollkommen Recht. Aber man tauscht sich eben gerne mal aus – im Internet, mit Freunden oder Bekannten und ich finde es wirklich schade, dass man entweder das eine Extrem oder das andere Leben muss, damit von zu irgendetwas dazu gehört.

      Liebe Grüße

  3. Hans-Georg sagt:

    Natürlich kann/darf/soll man zu allem gehören was gut Tür und Spaß macht. Ich kann nur Mut machen stark (und lächelnd) den eigenen Weg zu gehen und du wirst sehen dann kommen eh Andere herbei und gehen mit. Ich war gerade in einer Krankheit wo man uns das beigebracht hat und das ist genau das was hilft.
    Also die Sonne im Brustkorb tragen und aufrecht durch das Leben gehen und die Sonne strahlen lassen! Damit wird dann allen gezeigt dass du Dein Leben im Griff hast.
    Deinen Kindern geht’s gut so entnehme ich dem Text. Für mich war es immer klar: im Kampf zwischen den Kindern und dem Universum stellst du dich besser auf die Seite der Kinder und des Universums – also sie bestimmen ihr Leben!
    Und was die 90% betrifft: das reicht weil Perfektion verhindert Leben!
    Nur Mut und Lächeln dann kommen die Richtigen und es geht dir gut!

  4. Hans-Georg sagt:

    Sorry mein Text lässt sich am Handy nicht mehr bearbeiten: Tür soll Tut,

  5. Jana sagt:

    Ein schöner Beitrag. Ich erkenne mich an einigen Stellen sehr gut wieder. Vor allem die Unterschiede zwischen meinen Vorstellungen vor Juniors Geburt und das echte Leben danach hast du wunderbar beschrieben. Und ja: Ich finde auch, dass Dogmen und das Beharren auf DEM einen richtigen Weg nichts bringen. Denn den gibt es nun mal nicht. Jedes Kind und jede Familie sind anders. Alles Gute für euch und auf deinem weiteren Weg als moderne Öko-Mama 😉

  6. Beatrice Bönisch sagt:

    Schön deine Worte zu lesen. Sie treffen mich ebenfalls zu 100%. Bleib wie du bist. Ich tue es auch, egal was die anderen für Meinungen vertreten. Der Bauch entscheidet. Daumen hoch für deinen Blog!
    Lg Beatrice Bönisch

          

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