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Laura / 08.06.2017 / Erziehung / Familienleben / Family
      

Dein Kind wird niemals selbstständig! Warum bedürfnisorientiert Leben schlecht ist | Lügen über Elternbetreuung, Familienbett, Langzeitstillen und Tragen

         

Immer wieder begegnen mir diese Sätze – ob im Alltag, von Bekannten oder völlig Fremden, im Internet in Foren oder in Kommentaren oder einfach so im Netz und in Magazinen. Ja, sogar hinter dem Rücken werden solche Aussagen getätigt. Sätze, die mich jedesmal wieder sprachlos machen und von Menschen kommen, die wenig Ahnung von bindungsorientierter Erziehung haben. Sie urteilen über Dinge, die entweder gerne selbst so gemacht hätten und sich nicht trauen oder die ihrer Natur zuwider sind. Vielleicht kennt Ihr diese Sätze, die Euch rasend vor Wut machen?

 

Die Krippen und Kindergarten-Lüge

„Ich finde qualifizierte Fremdbetreuung gut, denn alles kann man dem Kind Zuhause nicht bieten und beibringen.“

Ich weiß gar nicht wie oft ich diese Aussage schon anhören durfte und ich bin jedesmal aufs Neue wirklich traurig darüber. Jedesmal frage ich mich, was genau mit bieten und beibringen gemeint ist: malen, basteln oder soziale Kompetenz? Alle diese Dinge kann ich ohne Probleme meinem Kind auch selbst bieten. Mein Sohn ist nicht täglich mit Kindern zusammen, was ich persönlich auch nicht als verwerflich empfinde.

Sobald er auf andere Kinder trifft ist er offen und will sofort mit ihnen „ins Gespräch“ kommen – leider sind es meist Kindergarten- oder Krippenkinder in seinem Alter, die mit seiner offenen Art nicht umgehen können und kein Interesse zeigen. Aus diesem Grund sollte man gerade bei diesem Thema den Charakter des Kindes sehen und nicht ob es in die Krippe geht oder nicht und bestätigt  mir immer wieder: viele Kinder sind vor dem dritten Geburtstag noch gar nicht so weit, wirklich mit anderen zu interagieren oder gar richtig miteinander zu spielen.

Mein Sohn wird mit drei in den Kindergarten kommen, um dort mit anderen Kindern Zeit zu verbringen. Für mich ist der Kindergarten keine Institution in dem ein Kind gefördert wird und „verlangen“ tue ich dies nur im letzten Kindergartenjahr als Vorbereitung auf die Grundschule. Bei dem in Deutschland bestehenden Ausbildungssystem für Erzieher ist dies wohl in der Regel auch kaum möglich.

Die Langzeitstill-Lüge

„Ein Kind das so lange gestillt wird, ist doch komplett verweichlicht und weinerlich und kann nicht ohne seine Mutter.“

Auch das kann ich widerlegen, denn auch ein zarter Charakter hängt nicht vom Stillen ab. Mein Sohn will alles und jeden kennen lernen und wird sogar mit bald zwei Jahren immer noch nach Bedarf gestillt. Angst? Kennt dieser kleine Junge nicht! Tiere, Kinder und unglaublich viele andere Dinge sind so interessant und wollen sofort ganz genau kennengelernt werden. Kinder die gestillt werden gehen genauso offen und unvoreingenommen, auch ohne ihre Mama an der Hand, auf alles im Leben zu. Mal wieder eine Frage des Charakters!

Die soziale Kontakte-Lüge

„Kinder die nicht in eine Krippe oder in einen Kindergarten gehen, haben später Probleme sich einzugliedern.“

Viele meiner Freundinnen und Bekannten schicken ihre Kinder noch nicht in eine so frühe Fremdbetreuung, also sind die meisten jetzt mit einem Jahr oder auch bald zwei Jahren noch zu Hause und verbringen die meiste Zeit mit ihren Eltern und besonders viel mit ihren Müttern. Jedes Kind hat ein anderen Charakter, den wir als Eltern kaum beeinflussen können. Manche sind scheu, manche sind offener. Das so ein Charakter durch den Besuch einer Krippe in stark beeinflusst wird kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ein Kind, welches ruhig und nachdenklich ist, wird nicht plötzlich nach dem Besuch einer Kita ein offener und extrovertierter Mensch.

Die Bildungs-Lüge

„Wenn ein Kind erst mit drei in den Kindergarten kommt, merkt man sofort, dass das Kind hinterher hinkt und später Probleme in der Schule haben wird.“

Mein Lieblingsbeispiel ist meine eigene Familie: ich bin mit 4 1/2 in den Kindergarten gegangen, mein Bruder mit 5 und meine Schwester hat nie eine Einrichtung für Fremdbetreuung von innen gesehen. Jeder von uns hat sein Abitur gemacht und hat entweder eine Ausbildung oder ein Studium begonnen, ist mitten drin oder hat es abgeschlossen.

Intelligenz hat nichts damit zu tun, ob ein Mensch schon mit einem oder drei oder mit fünf Jahren eine Kita besucht, sondern mit dem Umfeld in dem es aufwächst und was ihm von zu Hause mitgegeben wird. Ob ein Kind schon mit zwei oder drei Jahren mit einer Schere umgehen kann, wird sein Leben als Erwachsener sicherlich nicht beeinflussen.

Die Schlaf-Lüge

„Wenn ein Kind nicht sofort an sein eigenes Bett gewöhnt wird, bekommt Ihr es gar nicht mehr raus. Außerdem können Kinder alleine viel besser schlafen.“

Bei dem Schatz bekomme ich jedesmal wieder Panik, dass Mütter ernsthaft von ihren Kindern erwarten von Anfang an in ihren Betten zu schlafen. Für mich ist das ein richtiger Graus und wie sich alle persönlich auf die Schulter klopfen, als ob sie etwas ganz tolles geschafft haben.

Wir haben ein wirklich großes Familienbett, in dem alle viel Platz haben und sich nicht bedrängt fühlen. Mein Sohn schläft jetzt mit bald zwei Jahren meistens durch und das trotz Familienbett. Kinder zeigen selbst, wann sie bereit sind durchzuschlafen und sich alt genug fühlen, alleine in einem dunklen Raum zu übernachten. Ich würde als so kleiner Mensch auf gar keinen Fall alleine schlafen wollen und kann meinem Kind nicht etwas antun, was ich selbst nicht mal als schön empfinde. Mein Mann, mein Sohn und ich – wir drei können am besten alle in einem Bett schlafen.

Zu dem Thema mit dem „er wird für immer bei Euch schlafen“ – ich gehe stark davon aus, dass die meisten Kinder schon lange vor der Pubertät aus den Familienbetten ausziehen. Wollen wir die gemeinsame Zeit  nicht so lange nutzen wie es möglich ist?

Die Trag-Lüge

„Wenn du nicht bald aufhörst zu tragen , wird dein Kind niemals mehr laufen lernen.“

Ich persönlich bin keine Tragemama – leider. Die Entscheidung hat mein Sohn ganz alleine getroffen. Jedoch kenne ich sehr viele Mütter, die auch heute noch ihre Kinder mit bald zwei Jahren täglich tragen. Auch hier gilt wieder: jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Die Tochter einer Tragefreundin ist schon Monate vor meinem Sohn gelaufen, der Tragen wirklich gar nicht leiden mag. Aric läuft sowieso am liebsten selbst, weil er dann alles allein entdecken kann.

Laufen lernen wird durch einen Reifeprozess im Gehirn gesteuert und nicht durch das Tragen gehemmt.

Charakter und Eltern entscheidet

Auch wenn man es nicht glauben mag: Kinder kommen mit ihrem eigenen Charakter auf die Welt und wir Eltern können nur noch bedingt eingreifen. In einigen Lebenslagen können wir sie stärken und fördern, aber Kinder darauf zu reduzieren wann sie in die Krippe oder den Kindergarten gekommen sind und wie lange sie gestillt oder getragen werden ist absoluter Schwachsinn.

Denn man würde es gar nicht glauben: ungestillte und ungetragene Kinder, die schon immer in ihrem Bett geschlafen haben und schon früh die Fremdbetreuung kennen lernten, können genauso einen zarten und introvertierten Charakter haben, wie Kinder die es genau anders erlebt haben und so verhält es sich auch bei offenen und extrovertierten Sprösslingen.

 

Für mein Kind das Beste

Ich persönlich empfinde, dass es für Kinder keine bessere „Erziehung“ als das bedürfnisorientierte Zusammenleben gibt. Wieso? Weil wir in erster Linie auf unsere Kinder hören sollten und ihnen, so lange sich beide Seiten wohl fühlen, alles geben was möglich ist. Dazu gehören für mich nächtliche Kuscheleinheiten und neben Mama und Papa im Familienbett einzuschlafen und aufzuwachen, Stillen, solange unsere Kinder es für wirklich notwendig halten (und wir Mütter es körperlich und mental schaffen) und wir sollten unsere Babys tragen, da Menschenbabys Traglinge sind und die Nähe lieben. Wenn man es sich erlauben kann, würde ich mich auch immer dafür aussprechen ein Kind erst dann in die Fremdbetreuung zu geben, wenn es so weit ist. Mit 12 Monaten wäre mein Sohn nicht im entferntesten dafür bereit gewesen. Heute, mit fast fast zwei Jahren, könnte ich ihn im Notfall in einer Betreuungseinrichtung anmelden.

 

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6 Gedanken zu „Dein Kind wird niemals selbstständig! Warum bedürfnisorientiert Leben schlecht ist | Lügen über Elternbetreuung, Familienbett, Langzeitstillen und Tragen“

  1. Lisi sagt:

    Herzlichen Dank für diesen Blogbeitrag!!! Ich bin es ehrlich auch schon so leid mich ständig rechtfertigt zu müssen warum ich noch immer trage .. (Baby ist 10 Monate, Midi 2 ) noch immer stille und warum die große Schwester mit 2 noch nicht bald im Kiga anfängt… was ich dem Kind da antue… meine Kids (4 Stück) sind alle sehr sozial, offen, lustig, kreativ (nein, sie müssen keine Schablonenartigen Basteldinge machen die in Wahrheit die Kindergärnterin klebt) 😆 und können super turnen, schneiden und was weiß ich sonst noch… und weißt du was ihre Geschwisterbindung ist super und so herzlich und liebevoll!!! 😍 Danke nochmal!!

  2. Sarah sagt:

    Danke!

    1. Laura sagt:

      Bitte <3

  3. Katrin sagt:

    Danke für diesen tollen Beitrag! Du sprichst mir aus der Seele. Als „langzeitstillende“Mama ( ich hasse dieses Wort. In meinen Augen ist das was ich tue normal. Es sollte eher das Wort “ Kurzzeitstillende“ geben)fühle ich mich manchmal ziemlich allein auf dieser Welt und ich frage mich ob es da draußen wohl noch andere Familien gibt die leben wie wir. Ja, jetzt hab ich sie gefunden 😉 deinen Blog werde ich auf jeden Fall weiter verfolgen! Unsere Tochter ist nun 15 Monate und darf aufwachsen wie euer Kleiner das auch tut.
    Ich hasse die Kommentare der anderen…“ Waaaas, Du stillst immer noch?“….“ sie schläft noch bei Euch? Wie lange denn noch?“….toll ist auch immer “ du musst einen festen Schlafrhythmus einführen „. Ganz ehrlich: ja, es ist gut wenn Kinder oder Babys feste Schlafzeiten haben. Und das hat unsere Tochter auch, aber dieser verändert sich eben auch mal und das ist dann gut und richtig so. Und wenn sie heute eine Stunde früher müde wird als gestern dann darf sie schlafen! Ich hab tatsächlich schon erlebt dass Kinder dann zwanghaft wach gehalten werden. Oder dass ein hungrigen Baby noch 30 Minuten warten musste weil es noch nicht Zeit für den Mittagsbrei war. Ganz ehrlich, hört auf eure Kinder!!!!!!!

  4. Maike sagt:

    Super Beitrag 😊.
    Mein großer ist mit 4 in den Kindergarten gekommen, der mittlere mit 2 ( was ich im Nachhinein als zu früh betrachte ) und mein kleiner , ist jetzt 5 Monate, wird definitiv frühestens mit 3 Jahren in den kiga gehen.

    1. Laura sagt:

      Hallo Maike,

      Dankeschön <3

      Ich bin die ganze Zeit am überlegen... Aric wird auf jedenfall mit 3 in den Kindergarten kommen, Baby 2 mit 2 1/2. Hoffentlich ist das nicht zu früh.

      Liebe Grüße

          

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