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Laura / 27.04.2017 / Familienleben / Family / Schwangerschaft
      

Geburtsbericht aus dem vermeintlichen Horror-Krankenhaus | Knappes Personal und schlechte Erfahrungsberichte

         

Jede Geburt ist verschieden und jedes Kind und jede Mutter ist anders. Ich habe meinen Sohn in dem Krankenhaus mit dem schlechtesten Ruf in unserer Umgebung geboren. Weshalb ich es immer wieder so machen würde und ich mich komplett auf mich und meine Instinkt verlassen habe, anstatt auf Geschichten – lest selbst.

 

Die Suche nach dem perfekten Krankenhaus

„Laura, wo willst du eigentlich dein Baby bekommen?“ Ich habe nie mitgezählt wie oft ich diese Frage gestellt bekommen habe und wie oft ich in verwunderte Gesichter blickte, wenn ich voller Überzeugung unser städtische Krankenhaus nannte. Leider blieb es nie bei diesem schiefen Blick, jeder hatte eine perfekte Horrorgeschichte auf Lager, welche mir bis ins kleine Detail geschildert wurde. Von unhygienisch Zuständen bis fast verbluteten Müttern war alles dabei. Allgemein war ich eine Ausnahme mein Kind in meiner Heimat auf die Welt bringen zu wollen, denn bei uns in der Region ist es übliche an jeder Kreissaalführung im Umkreis von 30km Teil zu nehmen. Das eine Krankenhaus soll angeblich stillfreundlich sein, für die einen muss unbedingt eine Kinderklinik vorhanden sein und die anderen haben besonders tolles Essen. Und ich? Ja, ich habe mir nur dieses eine Krankenhaus angeguckt.

 

Meine erste Kreissaal Begegnungen

Für den Rundgang der Geburtenstation haben wir uns ziemlich spät angemeldet, da ich zu 100% überzeugt war in diesem Krankenhaus mein Kind auf die Welt zu bringen. Der Rundgang war sympathisch, jedoch waren die Zimmer nicht auf dem neusten Stand – da ich dort aber nicht einziehen wollte, konnte ich über diesen negativen Punkt hinweg sehen. Eins verunsicherte mich jedoch stark: Zettel für die PDA wurden am Ausgang verteilt, als ob es für jede werdende Mutter selbstverständlich wäre eine PDA in Anspruch zu nehmen. Zum ersten Mal zweifelte ich und die Stimmen in meinem Umfeld wurden immer lauter und lauter. Bist du dir sicher? Wirklich? Dort?

Ich befragte meinen Frauenarzt, der selbst jahrelang Chefarzt im besagten Krankenhaus war. Endlich kam eine wirklich qualifizierte Antwort die wir bis heute jedem weiter geben: „Solange sie und ihr Kind gesund sind und es für sie nicht von Interesse ist ob Duftkerzen oder frische Blumen im Kreissaal stehen, ist unser Krankenhaus die beste Wahl für sie.

Eine Woche vor der Kreissaal-Anmeldung bekam ich eine Blasenentzündung und ging zum Kreissaal – ich würde sofort liebevoll behandelt. Genauso wie bei einem zweiten Besuch, da mein Sohn sich stundenlang nicht bewegt hat. Wieder war es eine positive Erfahrung, die ich mit dem Krankenhaus in Verbindung bringen konnte.

Uns wurde immer suggeriert: lieber einmal zu viel als einmal zu wenig kommen. Sicher ist sicher.

 

Die Geburt

Ich war genau einen Tag über dem Entbindungstermin und hatte an diesem Freitag noch morgens einen Besuch beim Arzt. Fest davon überzeugt, dass ich am Montag nochmal kommen muss, hatte ich meine ersten Wehen gegen 15 Uhr. Nach einem Bad und dem ständigen kontrollieren der Wehen mit einer App, machten wir und um 18 Uhr auf den Weg. Nein, nicht direkt ins Krankenhaus sondern zu Mc Donalds – eine kleine Stärkung musste eben noch sein! Im Krankenhaus angekommen wurde mit der Untersuchung meines Muttermundes begonnen.

 

Die ersten Anzeichen

Mein Muttermund war kurz nach 18 Uhr bereits um 3cm geöffnet. Nach einem Urintest ging es an das CTG und nebenbei wurde mir eine Braunüle gelegt. Es war schrecklich, die Schmerzen der Wehen und dann musste ich mich meiner größten Angst stellen – die Braunüle. Für mich etwas unvorstellbar ekliges, gleichzusetzen mit Blutabnahmen. Ich weiß, etwas übertrieben aber für mich wirklich eine riesige Hürde. Trotz der Wehenschmerzen sah man keine Veränderung auf dem CTG. Wirklich, man sah rein gar nichts. Mein Mann durfte noch einmal kurz los um die Klinktasche (oder besser gesagt Koffer 😜) zu holen. Ich dachte nämlich zu Hause, dass wir noch nicht so weit sind – diese Illusion wurde uns schnell geraubt. Meine Hebamme versicherte mir: heute werden sie noch Mutter!

 

Umzug ins Familienzimmer

Als mein Mann wieder kam ging es für uns in ein Familienzimmer. Nun war es knapp 19 Uhr und dort blieben wir knapp eine Stunde. Die Schmerzen wurden immer schlimmer und ich bekam meine erste Spritze gegen die Schmerzen und dann gab es einen Einlauf für mich. Die Spritze half leider gar nicht. Überhaupt nicht. Abwechselnd besuchten mich die Hebamme und die Ärztin. Da die Schmerzen schlimm waren, wollte ich unbedingt eine PDA und zum Glück war dies nicht möglich. Wieso? Weil der Anästhesist gerade bei einem Kaiserschnitt zu Gange war. Dies zeigt aber mal wieder, wie unterbesetzt unsere Kreissaale sind – was wäre gewesen, wenn eine PDA aufgrund eines Kaiserschnittes bei mir notwendig gewesen wäre?

Um 20 Uhr wurde ich abgeholt, besser gesagt ich bin halb gekrochen. Die Schmerzen waren schon unerträglich. Zu dritt ging es in den Kreissaal. Dort bekam ich den Kittel an und mein Muttermund wurde gecheckt – 4cm. Puh.

 

Der Countdown läuft

Und dann ging es endlich los: zum Glück wurde meine Fruchtblase aufgestochen und mein Sohn bekam eine Kopfschwartensonde in seinen Kopf gedreht. Nach dem öffnen der Fruchtblase ging es richtig los. Ich bekam eine weitere Spritze, diese sollte stärker sein. Jedoch half mir diese auch wieder nicht, die Schmerzen blieben gleich stark. Ich verlangte wieder eine PDA – jedoch war dies wieder unmöglich: obwohl ich nebenan im Kreissaal das Baby vom Kaiserschnitt hörte war ich zu weit.

7cm war der Muttermund bereits geöffnet und genau in dem Moment musste die Hebamme zu der frisch operierten Mama und ihrem Baby. Mein Mann und ich standen also ganz alleine im Kreissaal – was für eine Situation. Im Nachhinein empfinde ich diese Situation immer noch als unmöglich. Eine Erstgebärenden komplett alleine mit dem Mann zu lassen, fühlt sich für mich falsch an. Gerade wenn man kurz vor den Presswehen ist, ist man mehr als durcheinander und braucht jemanden, der einen runter holt. Eine Hebamme hat für mich einfach die gesamte heiße Phase im Kreissaal zu sein – PUNKT.

Mein Mann hielt mein Bein und ich musste meine Wehen veratmen. Ich frage mich bis heute wie das gehen soll – von allen Wehen die ich hatte könnte ich nur zwei veratmen. Das ging aber nur, weil ich ganz alleine mit meinem Mann war, wir nicht redeten und ich mich konzentrieren konnte.

Ich hatte meine ersten Presswehen und nun kam endlich die Hebamme zurück. Jetzt geht es los: nach ein paar Presswehen begann die Hebamme die Ärztin anzurufen und mir war klar, dass ich gleich mein Baby gebären würde. Einige Minuten danach war er geboren: mein Traumbaby. Nun war es 21:41 Uhr.

 

Liebe auf den ersten Blick

Er wurde mir in den Arm gelegt und ich habe ihn sofort geküsst. Mein Mann war so überwältigt, dass er die Nabelschnur nicht durchtrennen wollte – meine Überredungskünste haben ihn jedoch umgestimmt. Zum Glück. Da ich leicht gerissen war würde ich von der Ärztin genäht und mein Mann und die Hebamme haben Aric fertig gemacht. Kurz darauf dürfte Aric das erste mal an meiner Brust trinken und wir warteten zwei Stunden im Kreissaal. Danach wurde mein Sohn noch einmal angeguckt und wir kamen ins Famlienzimmer. Kurz darauf kam mein Baby in seinem Bettchen dazu und wir schliefen ein.

Nun kommen wir zum schönsten Moment meines Lebens: einige Stunden später wachte ich auf und sah in das Bettchen – dort lag mein kleiner Junge wach im Bett und schaute mir in die Augen. In dem Moment habe ich zum ersten Mal begriffen, dass ich Mama bin. Wie dieser kleiner Mensch mir in die Augen schaute – unvergesslich.

 

Das Ende

Im Nachhinein war ich glücklich nicht auf andere gehört zu haben. Das Horror-Krankenhaus hat für eine normale Geburt komplett ausgereicht. Hier bekam ich ohne Probleme meinen Sohn innerhalb von 3 1/2 Stunden. Keine dieser Geburten wo man 24 Stunden in den Wehen lag oder schlecht behandelt wurde. Die Ärzte waren aufmerksam, meine Hebamme hat tolle Arbeit geleistet – nur einen Minuspunkt gibt es für mich: die Betreuung innerhalb der darauffolgenden drei Tage im Krankenhaus waren unglaublich schlecht.

 

Mein Rat

Das wichtigste ist mit so wenig Angst wie möglich an die Sache ran zu gehen und alles auf sich zukommen zu lassen. Umso mehr man verkrampft ist und sich zu viele Gedanken macht, umso schwieriger wird es sich zu entspannen und sich auf eine Geburt einzulassen. Jedoch muss man auch das passende Personal haben, welches einen durch eine Geburt begleitet. Sobald jemand Ahnung von seinem Job hat fühlt man sich sicher und weiß, dass eigentlich nichts passieren kann.

Hört nicht auf Geschichten von  Personen und ihren Erlebnissen. Nur weil deine Freundin schlechte Erfahrungen gemacht hat, heißt es nicht, dass Euch das selbe passiert. Jeder hat eine andere mentale Stärke, einen anderen Körper, ein anderes Kind und geht komplett anders an die Geburt heran. Für mich war der Aufenthalt nicht prickelt, andere Frauen haben dort den reinsten Horror erlebt. Trotzdem kenne ich dann wiederum Frauen, die es dort als ganz toll gefunden haben.

Ich persönlich würde mein zweites Kind wieder dort bekommen, auch wenn mir die Zeit im Wochenbett dort nicht gefallen und mich das ständige allein sein im Kreissaal gestört hat. Bei meinem zweiten Kind bin ich einfach viel entspannter! Hört auf Euch, auf Euren Körper und probiert selbstbestimmt zu sein. Natürlich ist das fast unmöglich bei der ersten Geburt – man weiß doch gar nicht was auf einen zukommt. Aber sobald etwas nicht nach eurem Willen läuft, sagt etwas dagegen.


 

Geburtsverlaufsbericht und Geburtsprotokoll

Edit: Sechs Monate, nach zahlreichen E-Mails und einem sehr verärgerten Brief, habe ich nun endlich meinen Geburtsbericht erhalten.

Leider wurde ich in diesem Geburtsverlaufsbericht als „sehr unkooperativ“ dargestellt, was meinen Mann und mich sehr verwundert und immer wieder zeigt, dass es doch Sinn macht, den Geburtsbericht anzufordern.

Angefordert habe ich den Geburtsverlaufsbericht und das Geburtsprotokoll. Jedes Krankenhaus muss diese Daten 30 Jahre aufbewahren.

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8 Gedanken zu „Geburtsbericht aus dem vermeintlichen Horror-Krankenhaus | Knappes Personal und schlechte Erfahrungsberichte“

  1. Mandy Mill sagt:

    Sehr emotional geschrieben, ich hatte fast Tränen in den Augen (Liebe auf den ersten Blick). Ich selbst habe noch zwei Monate bis meine kleine Maus auf die Welt kommt. Ich mache mir auch nicht zu viele Gedanken über die Geburt, wird schon gut gehen. Danke für Deinen schönen Bericht!

    1. Laura sagt:

      Hallo Mandy,

      vielen lieben Dank für Dein Feedback. Mach Dir wirklich keine Gedanken und geh ganz locker an die Sache ran. Die schönste Zeit Deines Lebens beginnt bald <3

  2. Laura sagt:

    Hallo Laura,
    Ich finde es total schön, dass du eine für dich wundervolle Erfahrung der Geburt hattest. Ich hatte einen Kaiserschnitt und war mit diesem wirklich zufrieden (nettes Personal, liebevoller Umgang) aber auch ich empfand die Tage nach der Geburt unfassbar schrecklich. Jede Schwester/Hebamme hat mir etwas anderes gesagt, es gab Fläschen ohne Zustimmung, wirklich grober körperlicher Umgang beim Zeigen der Anlegetechnik beim stillen…Auch ich bin eine relativ junge Mama (25 Jahre bei der Geburt) und wurde manchmal etwas belächelt mit meinen Sorgen. Für mich war meine Nachsorgehebamme ein Segen. Sie hat mich noch im Krankenhaus telefonisch bestärkt und hat dazu beigetragen dass ich meinen Sohn doch noch stillen konnte. Natürlich gibt es da auch 100 verschiedene Ansichten…aber viele von ihnen sind wirklich Top. Ich werde mich bei meiner zweiten Geburt für ein anderes KH entscheiden, da ich den stationäre Aufenthalt als traumatisch empfunden habe und als wesentlich wichtiger als die Zeit der Geburt.
    Aber natürlich gebe ich dir Recht dass jeder seine eigenen Erfahrungen machen muss. Es bringt nichts vorher schon durch Horrorgeschichten aus einem bestimmten Krankenhaus andere junge Eltern verrückt zu machen. Denn es kommt immer auf die Situation und das Personal an dem Tag an.
    Liebe Grüße

  3. Katja Ehrlich sagt:

    Zwei verschiedene Krankenhäuser , zwei verschiedene Eindrücke , mit guten und schlechten Momenten.Beide Krankenhäuser sind im Umkreis teilweise verrufen.
    Aber ich finde man muss seine eigenen Erfahrungen machen.

  4. Karen Wettig sagt:

    Unglaublich! Meine Geburt vor 6 Wochen in dem selben Krankenhaus verlief ganz genauso 🙂 Und ich würde auch beim zweiten Kind wieder dort hingehen! Ärzte und Hebammen waren super nett. Aber die Schwestern auf Station die reinste Katastrophe!

    1. Laura sagt:

      Hey Karen,

      danke für Dein Kommentar. Schön, dass wir uns „gefunden haben“. Ich werde mein zweites Kind dort auf jedenfall auch auf die Welt bringen, aber so schnell es geht gehts dann ab nach Hause. Eigentlich traurig, dass man solche Erfahrungen machen muss – dabei Könnte das Krankenhaus einen viel besseren Ruf haben, wenn die Schwestern nicht so unglaublich unwissend und unmenschlich wären.

      Liebe Grüße

  5. Natascha sagt:

    Weshalb hast du denn den Geburtsbericht angefordert?

    1. Laura sagt:

      Hallo Natascha,

      weil ich ihn gerne für mich privat wollte, einfach um den zu Hause zu haben und noch einmal die Geburt nachvollziehen zu können. Außerdem gehört er ja eh mir, so wie alle Patientenakten 🙂

      LG

          

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